Antibiotikaresistenzen

Üblicherweise hemmen Antibiotika das Wachstum von Bakterien oder töten diese. Bakterien, die nicht mehr mit Antibiotika behandelt werden können, werden als resistente Bakterien bezeichnet. Die Resistenz wächst mit der steigenden Verabreichung von Antibiotika. Die Entstehung der Antibiotikaresistenzen ist ein natürlicher Vorgang, allerdings mit sehr unerfreulichen Auswirkungen. Damit versuchten sich Bakterien seit jeher einen Vorteil gegenüber Konkurrenzkeimen zu verschaffen.

Beschleunigt wird dieser Vorgang durch einen übermäßigen und unsachgemäßen Gebrauch von Antibiotika. Durch zusätzliche Hygienemängel in der Human- und Veterinärmedizin können sich resistente Erreger ausbreiten, die dann schwierig zu behandeln sind. Neben Informationslücken bei Ärztinnen und Ärzten sowie Tierärztinnen und Tierärzten sind oft auch Wünsche von Patientinnen und Patienten sowie Tierbesitzerinnen und Tierbesitzern die Ursache des übermäßigen und unsachgemäßen Einsatzes. Hinzu kommen nicht zuletzt Fehler bei der Einnahme und der Anwendung von Antibiotika.

Antibiotikaeinsatz bei Mensch und Tier

Die Gesundheit von Mensch und Tier ist bei vielen Infektionskrankheiten eng miteinander verbunden. Tier und Mensch können oft von gleichen Krankheitserregern infiziert werden, müssen mit gleichen Antibiotika behandelt werden und haben somit gerade bei breitgestreuter und teilweise unreflektierter Anwendung gegenseitigen Einfluss auf die Resistenz-Problematik.

Zum Schutz der Gesundheit von Mensch und Tier sowie zum Erhalt der Wirksamkeit von Antibiotika ist eine sektorenübergreifende Zusammenarbeit aller Verantwortlichen nötig. Das Gesundheitsministerium sah sich daher zur Einrichtung eines Nationalen Aktionsplans zur Antibiotikaresistenz (NAP-AMR) veranlasst.

Ausbreitung von Resistenzen

Die drohende Gefahr, dass Antibiotika ihre Wirkung verlieren, wird schon länger als weltweites Problem erkannt. Die Zunahme bakterieller Krankheitserreger, die gegenüber Antibiotika weniger empfindlich oder sogar völlig resistent geworden sind, ist weltweit zu einer großen Herausforderung geworden. Betroffen davon sind Human- und Veterinärmedizin gleichermaßen. Für Patientinnen und Patienten bedeutet dies oft längere Behandlungsdauer und zusätzliche Belastungen durch eine verzögerte oder nicht eintretende Heilung der Infektionskrankheit; manchmal können die Folgen sogar tödlich sein. Aber auch für die erkrankten Tiere wird eine Heilung erschwert, es können sich Probleme für den Tierschutz ergeben wie auch mögliche wirtschaftliche Einbußen für Tierhalterinnen und Tierhalter.

Resistente Bakterien können vom Tier auf den Menschen – oder auch umgekehrt vom Menschen auf das Tier – übertragen werden oder von Tier und Mensch in die Umwelt gelangen, wo sie überdauern. Eine Übertragung ist nicht nur bei direktem Kontakt mit einem infizierten Tier möglich, sondern auch durch den Kontakt mit oder den Verzehr von Lebensmitteln wie Fleisch und Gemüse, die mit resistenten Erregern kontaminiert sind. Der Beitrag dieses Übertragungsweges zur Resistenz-Problematik in der Humanmedizin scheint nach bisherigen Erkenntnissen allerdings relativ gering zu sein.

Erhalt der Wirksamkeit von Antibiotika

Die nationale Antibiotika-Strategie betrifft die tierärztliche Tätigkeit, die Tierhaltung, die Lebensmittelkette sowie humanmedizinische Belange. Vor allem soll die Zusammenarbeit zwischen Tier- und Humanmedizinerinnen und -medizinern verbessert werden.

Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen

Der NAP-AMR in Kombination mit den Leitlinien für den sorgfältigen Umgang mit antibakteriell wirksamen Tierarzneimitteln soll den Kampf gegen Antibiotikaresistenzen möglichst wirksam unterstützen. Durch resistente Erreger werden Therapiemöglichkeiten eingeschränkt. Einerseits beschleunigt eine unsachgemäße Anwendung von Antibiotika in Human- und Veterinärmedizin die Entwicklung und Ausbreitung von Resistenzen. Zum anderen tragen auch mangelhafte Hygienemaßnahmen und nicht zuletzt der Handels- und Reiseverkehr dazu bei, dass sich resistente Krankheitserreger ausbreiten.

Unser aller Ziel muss sein, vermeidbare Infektionen zu verhindern, beziehungsweise die Entstehung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen nachhaltig zu vermindern, um die Leistung der vorhandenen antimikrobiell wirksamen Substanzen zu erhalten und – wo möglich – die Qualität der antimikrobiellen Therapien zu fördern.

 Der NAP-AMR reflektiert die europa- und weltweiten Vorgaben. Er umfasst sowohl humanmedizinische Belange, als auch die tierärztliche Tätigkeit, die Tierhaltung, die Lebensmittelkette und die Umwelt.

NAP-AMR: Nationaler Aktionsplan Antibiotikaresistenz des Bundesministeriums für Gesundheit

Leitlinien für den sorgfältigen Umgang mit antibakteriell wirksamen Tierarzneimitteln

Österreichischer Antibiotikaresistenzbericht AURES 2015

(17.10.2016)