Kälber Enthornung

Von Jänner bis November 2005 führte die Klinik für Wiederkäuer gemeinsam mit dem Institut für Tierhaltung und Tierschutz eine Untersuchung zur Enthornung von Kälbern mit 2 verschiedenen Enthornungsgeräten in Bezug auf Effektivität, Stress- und Schmerzbelastung durch. Die Studie wurde auf 3 Milchviehbetrieben an insgesamt 64 Kälbern im Alter zwischen 5 Tagen und 5 Wochen in Einzel- und Gruppenhaltung durchgeführt.

Der lötkolbenartige Brennstab Type Thermokauter wird mit Netzspannung betrieben und setzt eine Anwendung mit Kabel- und Netzgerät voraus. Untersuchungen des Instituts für medizinische Physik haben gezeigt, dass sehr rasch eine große Wärmekapazität erreicht und konstant mit einer Maximaltemperatur von etwa 200°C gehalten wird. Diese Tatsache ermöglicht ein sehr rasches Verbrennen der Hornanlagen bzw. „Heraushebeln“ des Hornzapfens, das eine z. T. sehr tiefe und große Wundhöhle verursacht. Angewendet werden kann dieses Gerät nur bei Kälbern, deren Hornanlagen bereits entsprechend entwickelt und optimalerweise ≥ kirschkerngroß sind. Dem gegenüber zeichnet sich das wieder aufladbare akku-betriebene Enthornungsgerät buddex® durch seine praktikable Größe, die Abschaltautomatik und eine Anwendung ohne hinderlicher Kabeln und Netzgeräte im Stall aus. Untersuchungen des Instituts für medizinische Physik haben gezeigt, dass mit dem Gerät buddex® ein Druck mit einem Kraftaufwand von 83 N auf den Kopf des Tieres einen Brennzyklus von 6,2 Sekunden auslöst und eine elektrische Energie von 1190 Joule abgibt.

Das ordentliche und sachgemäße Enthornen von Kälbern mit diesem Gerät setzt eine absolute Bewegungsunfähigkeit des Tieres voraus, speziell des Kopfes, da bereits eine minimale Kraft bzw. Druckverminderung auf den Kopf des Kalbes, die sich zwangsläufig durch Abwehrbewegungen der Tiere ergeben, eine Unterbrechung des Brennvorganges bewirkt.

Sowohl in der Anwendung des Gerätes während des Versuches, wie auch im Rahmen von messtechnischen Vorversuchen des Instituts für medizinische Physik, wurde ein schwankender Auslösedruck, bedingt durch eine als Schlauchstück in das Gerät integrierte Auslösemechanik, festgestellt. Auf Grund dieser Tatsachen wurden im Rahmen dieses Versuches 2 buddex®-Geräte verwendet, da bereits nach dem Enthornen einiger Kälber die Einschalte- bzw. Abschaltautomatik nicht mehr funktionierte.

Die Kälber wurden in 2 Altersgruppen (5. - 13. Lebenstag und 3. - 5. Lebenswoche) eingeteilt und in insgesamt 8 Gruppen (n = 8) unterteilt: 2 Versuchsgruppen für das Gerät Thermokauter (3 – 5 Wochen alte Kälber) und 3 Versuchsgruppen für das Enthornungsgerät buddex® (5 – 13 Tage alte Kälber). 3 zusätzliche Gruppen dienten als Kontrollgruppen (Enthornungssimulation), wobei 2 Gruppen für beide Geräte als Vergleich dienten (gemischtes Alter: 5 Tage - 5 Wochen). Jeweils 1 Versuchsgruppe pro Enthornungsgerät wurde sediert + zusätzliche Leitungsanästhesie und bei jeweils 1 Gruppe pro Gerät wurde nur eine Leitungsanästhesie vor dem Enthornen durchgeführt. Mit dem Enthornungsgerät buddex® wurde auch 1 Gruppe ohne vorherige Betäubung enthornt sowie 1 entsprechende Kontrollgruppe ohne betäubende Maßnahmen gegenübergestellt.

Anhand der Parameter Plasma Cortisol, der Bestimmung der Kortison Metaboliten im Kot sowie ethologischer Verhaltensbeobachtungen sollte die Stress- und Schmerzbelastung der Kälber während bzw. nach dem Enthornen und der Simulation erfasst werden. Der Kortisolgehalt im Blutplasma wurde 2 Stunden vor dem Enthornen und unmittelbar danach bestimmt. Im Kot der Kälber wurde die Höhe der Glucocorticoid-Metaboliten (GCM) vor sowie 8, 10, 12 und 24 Stunden nach dem Enthornen bzw. der Simulation gemessen. Während dem Enthornungsvorgang bzw. der -simulation bis 4 Stunden danach wurden die Kälber beobachtet, ihr Verhalten protokolliert und statistisch ausgewertet.

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen sehr deutlich, dass das Enthornen von Kälbern ohne jegliche vorherige Betäubung hochgradig schmerzbelastend und strikt abzulehnen ist, wobei das Alter keinen Unterschied macht.

Nicht das Alter des Kalbes sollte als Kriterium verschiedener Enthornungsmethoden sein, sondern die palpierbare Hornknospengröße. Bei Verwendung des Gerätetypus buddex® sollte die Knospe ≤ kirschkerngroß sein. Das alleinige ringförmige Verbrennen der Hornanlage mittels der Methode buddex® unter Leitungsanästhesie und einer zusätzlichen Sedation, zeigte sich bei genauer Lokalisation der Hornknospe und zielgenauem 2maligen Brennen als sehr effektives wie auch scheinbar weniger belastendes Verfahren als die „heraushebelnde“ Methode mittels Thermokauter. Voraussetzung für einen wirkungsvollen Enthornungseffekt mit buddex® ist das entsprechende Handling des Kalbes und eine absolute Bewegungsunfähigkeit des Tieres, um genau an der Hornknospe den relativ hohen gerätebedingten Druck- und Kraftaufwand zur Auslösung eines Brennzyklus zu erzeugen.

Obwohl mit buddex® eine weniger massive Brandwunde entsteht als mit dem Thermokauter, verspüren die Kälber, wie die Ergebnisse zeigen, deutlich Schmerzen über mehrere Stunden, die sich nicht nur in sehr heftigen Abwehrbewegungen während des Enthornungsvorganges, sondern auch in sehr feinen aber deutlichen Schmerzsymptomen nach dem Eingriff äußern.

Unter diesen Aspekten wie auch unter dem Aspekt des Tierschutzes sollte generell das Enthornen von Kälbern ausschließlich unter Betäubung durchgeführt werden – unabhängig von Gerätefabrikat und Alter der Tiere. Durch eine zusätzliche allgemeine Sedation zur Leitungsanästhesie konnte der Nachschmerz in dieser Studie einige Stunden hinausgezögert und damit ein weiterer Schritt in Richtung tierschutzgerechte landwirtschaftliche Produktion gesetzt werden.

Kälber Enthornung - Endbericht

(2005)