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Tuberkulose (TBC)

Betrifft Rinder und Wildtiere.

Allgemeine Information

Tuberkulose (TBC) ist eine langsam fortschreitende, gefährliche Infektionskrankheit und Zoonose (vom Tier auf den Menschen übertragbare Krankheit). Daher hat für die Veterinärbehörden TBC bei Rindern eine besondere Bedeutung. Die eigentlichen Tuberkulose-Erreger bei Mensch und Tier werden aufgrund ihrer engen genetischen Verwandtschaft zum Mycobacterium-tuberculosis-Komplex zusammengefasst. Dazu gehören M. tuberculosis, der Erreger der Tuberkulose bei Menschen, M. bovis, der Erreger der Rindertuberkulose, sowie M. caprae, der Erreger bei Wildtieren.

Übertragung Tier zu Tier

  • durch Einatmen feiner, erregerhaltiger Lufttröpfchen, die von erkrankten Tieren ausgehustet werden oder über kontaminierte Äsung, Futterkrippen und Salzlecken
  • über den Speichel oder Kot: durch monatelanges Überleben in kontaminiertem Futter kann es zur Ansteckung weiterer Tiere kommen
  • Winterfütterungen der Wildtiere sind problematisch: durch Erregerübertragung und geringere natürliche Sterblichkeit sowie Ansammlungen von Tieren im Bereich der Fütterungen wird die Übertragung gefördert

Übertragung Tier zu Mensch

  • durch direkten Kontakt mit erkrankten Tieren
  • durch die Aufnahme von kontaminierten Lebensmitteln (z.B. Rohmilch)
  • Rückübertragungen vom Mensch auf das Tier möglich

Amtlich anerkannte TBC-Freiheit

Die Rindertuberkulose (M. bovis) zählt in Österreich und international zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen.

Österreich ist seit 1999 anerkannt frei von Rindertuberkulose

(Entscheidung der EU-Kommission vom 23. Juni 2003, 2003/467/EG)

Gemäß den Bestimmungen der Richtlinie des Rates 64/432/EWG kann ein Mitgliedstaat oder ein Teil eines Mitgliedstaates als amtlich tuberkulosefrei anerkannt werden, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • In 6 aufeinanderfolgenden Jahren machen die Rinderbestände, bei denen sich bestätigte, dass sie mit Tuberkulose infiziert sind, im Jahresdurchschnitt höchstens 0,1% aller Rinderbestände aus, und mindestens 99,9% der Rinderbestände haben in sechs aufeinanderfolgenden Jahren jedes Jahr den Status der amtlich anerkannten Tuberkulosefreiheit erlangt, wovon der letztgenannte Prozentsatz zum 31. Dezember eines jeden Kalenderjahres zu berechnen ist,
  • die einzelnen Rinder nach geltendem Gemeinschaftsrecht gekennzeichnet sind, und alle Schlachtrinder einer amtlichen Fleischuntersuchung unterzogen werden, sowie
  • die Verfahren zur Aussetzung und Entziehung des Status der amtlich anerkannten Tuberkulosefreiheit eingehalten wurden.
  • Die amtlich anerkannte TBC-Freiheit eines Mitgliedstaates bleibt weiterhin erhalten, wenn diese Bedingungen weiterhin jährlich erfüllt werden. Da Österreich diesen Status bereits 1999 erreicht hat, konnte  die flächendeckende Untersuchung der Rinder mittels Intrakutan-Test (TBC-Test, Tuberkulinisierung) im Jahr 2000 eingestellt werden. Seitdem wird die Krankheit grundsätzlich im Zuge der Schlachttier- und Fleischuntersuchung (SFU) überwacht. 

Aktuelle Situation bei Rindern

Der klassische Erreger der Rindertuberkulose, Mycobacterium bovis, konnte seit Erlangen der TBC-Freiheit in Österreich in keinem Fall mehr nachgewiesen werden.

Jedoch konnte sich in den vergangenen Jahren, unterstützt durch Fehler in der jagdlichen Bewirtschaftung, in einigen Gebieten Tirols und Vorarlbergs sowie in angrenzenden Gebieten Bayerns ein Reservoir der Wildtiertuberkulose (M. caprae) in der dortigen Rotwildpopulation etablieren.

Wesentlich für eine Übertragung der Tuberkulose vom Rotwild auf das Rind ist der hohe Infektionsdruck, der in deutlich überhöhten Rotwildbeständen – welche trotz entsprechender jagdrechtlicher Bestimmungen in den jeweiligen Landesgesetzen in einzelnen Regionen vorkommen – herrschen kann.

Seit 2008 kam es daher in Österreich durch die Nutzung der gleichen Weideflächen von Rind und Rotwild, insbesondere während der Weide- und Alpungsperiode, auch zu einem Übergreifen der Infektion vom Rotwild auf Rinder. Bisher konnte der in Österreich vom Rotwild auf das Rind übertragene Mycobacterium caprae-Typ jedoch beim Menschen nicht nachgewiesen werden.

Zur Feststellung der Situation im Rinderbestand werden seit einigen Jahren in einzelnen Regionen Tirols und Vorarlbergs Sonderuntersuchungsgebiete und Sonderüberwachungsgebiete (siehe Rinder-TBC-VO) amtlich ausgewiesen, in welchen Rinder nach der Alpungsperiode mittels TBC-Test auf Tuberkulose untersucht werden. Diese Untersuchungen werden an die festgestellte epidemiologische Situation angepasst und gegebenenfalls entsprechende Gebietsanpassungen vorgenommen. (siehe TBC-Statistik Rind 2008 - 2016)

Aktuelle Ergebnisse

In TIROL, insbesondere in der Region Lechtal, wurden in der Untersuchungsperiode 2014/2015 Untersuchungen in Sonderuntersuchungs- und Sonderüberwachungsgebieten durchgeführt. Eine Infektion konnte nur im Bezirk Reutte und nur in einem Bestand bei einem Tier nachgewiesen werden.

In VORARLBERG stieg in den vergangenen beiden Jahren die Anzahl infizierter Rinder in den Bezirken Bludenz und Bregenz. Daher wurde der Rinderbestand Vorarlbergs in der Untersuchungsperiode 2014/2015 flächendeckend untersucht. Mit Ende März 2015 wurden über 57.500 Rinder in ca. 2700 Betrieben untersucht. In 3 Betrieben der Bezirke Bludenz und Bregenz konnte bei 4 Tieren eine Infektion nachgewiesen werden.

Aktuelle Situation bei Rotwild

Im Jahr 2011 wurde zum ersten Mal auf der Rechtsgrundlage der Rotwild-TBC-Verordnung im Bundesland TIROL ein entsprechendes Seuchengebiet definiert und ausgewiesen. Eine Infektion mit M. caprae wurde in diesem Seuchengebiet im Jahr 2015 bei 27 Stück Rotwild nachgewiesen.

Zusätzlich führt Tirol seit dem Jahr 2012 ein Rotwild-Screening (2015: Reviere im Karwendel und in den Bezirken Innsbruck-Land, Schwaz, Landeck und Kufstein) durch, wobei 2015 bei 2 Stück Rotwild M. caprae festgestellt wurde. Statistik TBC Rotwild Tirol 2011 bis 2016

Das Bundesland Vorarlberg führt seit 2009 ein landesweites Rotwild-TBC-Monitoring durch, wobei im Jahr 2013 im Bezirk Bludenz ein Bekämpfungsgebiet eingerichtet wurde. Im Bekämpfungsgebiet werden in den betroffenen Rotwildräumen – ähnlich dem Seuchengebiet in Tirol Kern-, Überwachungs- und Beobachtungsgebiete unterschieden. Im Jahr 2015 wurde in Vorarlberg bei 43 von insgesamt 603 untersuchten Stücken Rotwild eine Infektion mit M. caprae nachgewiesen. Statistik TBC Rotwild-TBC-Vorarlberg 2009 bis 2016 

Ausblick

Die bisherigen Untersuchungen bei Rindern und Rotwild in ausgewählten Risikogebieten Österreichs werden an die epidemiologische Situation sowie an die Ergebnisse der abgelaufenen Untersuchungsperiode angepasst und auch 2015 und 2016 weitergeführt.

Zur besseren Einschätzung der epidemiologischen Situation wird derzeit ein statistisch abgesicherter, risikobasierter Stichprobenplan ("Indikatoralmen") ausgearbeitet. Dabei werden Rinder untersucht, die in anderen Gebieten Österreichs mit hoher Rotwilddichte gealpt wurden, um eine eventuelle TBC-Übertragung vom Rotwild auf Rinder festzustellen zu können.

Gesetzliche Grundlagen

Rindertuberkulose-Verordnung

Am 1. September 2008 trat die österreichische Rindertuberkulose-Verordnung in Kraft. (Verordnung zur Verhinderung der Einschleppung und Verbreitung der Tuberkulose der Rinder; auf Basis der Richtlinie 64/432/EWG zur Regelung Viehseuchen-rechtlicher Fragen beim innergemeinschaftlichen Handelsverkehr mit Rinden und Schweinen, i.d.g.F. BGBl. II Nr. 279/2014)

Ziele der Verordnung unter Berücksichtigung des Zoonosen-Aspekts

  • Erfassung sämtlicher potentieller TBC-Erreger beim Nutztier
  • Über internationale Bestimmungen hinausgehend: in Österreich besteht Anzeigepflicht für Mykobakterien des gesamten „Mycobacterium Tuberculosis Complexes“ (MTBC; dieser umfasst etliche zoonotische Mykobakterien-Arten), einschließlich der Anzeigepflicht an die Lebensmittelbehörde/ Landes-Zoonosen-Koordinator im Falle des Verdachts beziehungsweise Feststellung der Erkrankung

2. Rotwild-TBC-Verordnung

Seit 1998 traten Infektionen mit Mycobacterium caprae (M. caprae) bei Wildtieren (insbesondere Rotwild) im oberen Lechtal (Bezirk Reutte) und im Bezirk Bludenz auf. In zwei Studien wurde als Hauptursache die Schalenwild-Überpopulation (in den von TBC betroffenen Jagdrevieren) durch Nichteinhaltung des jagdrechtlich vorgeschriebenen Abschussplans festgestellt, wobei die Situation durch Winter- bzw. Zusatzfütterungen verschärft wurde.

Um die TBC in der Rotwildpopulation in den betroffenen Gebieten einzudämmen, trat am 17. Juni 2011 die, in enger Zusammenarbeit mit der Jägerschaft und den betroffenen Behörden auf Landesebene erarbeitete, Rotwild-TBC-Verordnung (Rotwild-TBC-Verordnung, BGBl. II Nr. 181/2011) in Kraft. Diese Rechtsgrundlage ermöglicht den Veterinärbehörden in bestimmten ausgewiesenen Risikogebieten entsprechende Bekämpfungs- und Überwachungsmaßnahmen (zum Beispiel Kontrolle der Wildfütterung, Reduktion des Wildbestandes) durchzuführen.

Umsetzung der Rotwild-TBC-VO

Im Jahr 2011 wird zum ersten Mal ein entsprechendes Seuchengebiet (Bekämpfungszone von 5.000 ha; Überwachungszone von 30.000 ha) im Bundesland Tirol (Bezirk Reutte) ausgewiesen, in welchem die entsprechenden Maßnahmen seit dem durchgeführt werden (siehe Aktuelle Situation – Rotwild).

(21.8.2015)

Weitere Informationen

TBC-Folder
Informationen der AGES zu TBC