Schaf- und Ziegenpocken (SPGP)

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Aktuelles zu Schaf und Ziegenpocken (SPGP)

Die Schaf- und Ziegenpocken weisen in Südosteuropa derzeit eine stark erhöhte Ausbreitungsdynamik auf. Griechenland, Rumänien, Nord-Mazedonien, Bulgarien und der Kosovo sind betroffen. Im Juli 2026 wurde ein Nachweis aus Serbien gemeldet. Ende September 2026 wurde in Albanien erstmalig das Auftreten der Krankheit nachgewiesen. Zahlreiche Ausbrüche, aus Griechenland, Bulgarien und Rumänien sowie der Neueintrag nach Albanien zeigen, dass sich die Seuche trotz der bereits bestehenden Bekämpfungsmaßnahmen weiter ausbreitet.

Um eine Ausbreitung dieser hochansteckenden Seuche auf andere Mitgliedsstaaten zu verhindern, wurde durch die Europäischen Kommission ein Verbringungsverbot für kleine Wiederkäuer aus den betroffenen Mitgliedstaaten Griechenland, Rumänien und Bulgarien verhängt.

Ausbreitung

Schaf- und Ziegenpocken kommen in Afrika und Asien endemisch vor. 2022 kam es zu einem Eintrag in Westeuropa nach Spanien, der erfolgreich getilgt werden konnte. Seit 2024 zirkuliert das Virus im Südosten Europas und breitet sich immer weiter nördlich aus aus.

Österreich ist frei von Schaf- und Ziegenpocken. Die aktuellen Ausbrüche in Südosteuropa erfordern besondere Wachsamkeit und die Einhaltung von Biosicherheits- und Rückverfolgbarkeitsanforderungen, damit das Virus nicht eingeschleppt wird.

Präventionsmaßnahmen

Präventionsmaßnahmen: Intensive Beobachtung und kurzzeitige Quarantäne für neu zugekaufte Tiere und zeitweilig für den Deckakt eingestellte Ziegen- und Schafböcke. Der Import von Schafen und Ziegen aus Regionen mit endemischem Vorkommen von Schaf- und Ziegenpocken (z. B. aus der Türkei) ist verboten. Impfstoffe sind vorhanden, jedoch in der EU nicht zugelassen. Prophylaktische Impfungen sind in allen EU-Staaten untersagt.

Maßnahmen beim Ausbruch

Bei Ausbrüchen in einem nicht endemischen Gebiet wird die Keulung der infizierten und exponierten Herdentiere durchgeführt; Restriktionen bei der Verbringung von Tieren und tierischen Produkten und die Errichtung von Schutzzonen veranlasst und Abstand bei neuerlicher Einstallung nach Desinfektion von landwirtschaftlichen Gebäuden und Ausrüstung empfohlen.

Was sind Schaf- und Ziegenpocken?

Schaf- und Ziegenpocken sind Pockenvirusinfektionen der kleinen Wiederkäuer. Sie kommen sowohl in domestizierten als auch in wildlebenden Schafen und Ziegen vor. Die Erreger, das Sheeppox virus (SPPV) und das Goatpox virus (GTPV), zählen wie auch das Pockenvirus der Hautknotenkrankheit der Rinder, das Lumpy skin disease virus (LSDV), zu den Capripoxviren. Das Schaf- und Ziegenpockenvirus kann auf die nach ihnen benannte Tierart spezialisiert sein - manche Stämme können aber sowohl Ziege als auch Schaf infizieren.

Die Infektion mit dem Schaf- oder Ziegenpockenvirus verläuft überwiegend akut bis subakut mit einem ausgeprägtem papulo-vesikulösem Exanthem am ganzen Körper. Wie alle Pockenkrankheiten breiten sich diese Tierkrankheiten relativ rasch im Bestand aus. Infolgedessen kommt es meist zu hohen wirtschaftlichen Verlusten. Schaf- und Ziegenpocken sind anzeigepflichtige Tierkrankheiten der Kategorie A (EU-Regulation 2016/429, Animal Health Law). Für den Menschen sind Schaf- und Ziegenpocken ungefährlich.

Symptome beim kleinen Wiederkäuer

Klinische Symptome sind in naiven Tierpopulationen, in Lämmern älter als 2-3 Monaten nach erfolgtem Abbau der maternalen Antikörper und in Tieren in Stresssituationen verstärkt ausgebildet. Stresssituationen werden durch kalte oder trockene Jahreszeiten, durch schlechte Futterbedingungen, durch Parasitismus oder andere Erkrankungen sowie durch schlechte Transportbedingungen ausgelöst. Die Morbidität beträgt in endemischen Gebieten 70-90%, die Mortalität 5-10%. In einer naiven Population kann die Sterblichkeit, insbesondere bei Lämmern, unter Umständen 100% erreichen. Tiere mit milden Symptomen und wenigen Pockenläsionen verbreiten den Erreger nicht so effizient wie Tiere mit stark ausgebildeten Symptomen.

Die durchschnittliche Inkubationszeit beträgt 4 Tage bis 2 Wochen. Erste Anzeichen einer Infektion sind vermehrter Speichelfluss, Nasen- und Augenausfluss, Fieber (40-42° Grad), Kurzatmigkeit, Depression und Appetitlosigkeit. Bereits zu dieser Zeit scheiden die Tiere Erreger aus. Innerhalb von 2-5 Tagen treten knotenartige Hautläsionen, ulzerierende Papeln an wenig behaarten Stellen im Gesicht (Lippen, Ohren, Augenlidern und Schnauze), am Euter, in der Leistengegend, am Bauch und an der Basis des Schwanzes auf. Innerhalb von 4–5 Tagen können die Läsionen austrocknen und werden nekrotisch. Sie entwickeln sich zu gelblichen schorfartigen Krusten. Die Papeln können sich bei schwerer Erkrankung über den ganzen Körper ausbreiten. Pockenläsionen finden sich auch gehäuft in den Schleimhäuten des Atmungs- und Verdauungsapparates; Pockenviren sind auch bei fortschreitender Infektion in den inneren Organen vorhanden. Weitere Krankheitssymptome sind Lymphknotenschwellungen, Verwerfen, Abmagerung und Lungenentzündungen. Letztere werden meist durch sekundäre bakterielle Infektionen verursacht. 21 Tage nach der Infektion ist eine Erholung der Tiere möglich. Sie zeigen dann zwar keine klinischen Symptome mehr, können aber bis zu 64 Tage nach einer Infektion Erreger ausscheiden.

Wie können sich Tiere anstecken?

Die Übertragung der Infektion erfolgt über den direkten Kontakt mit erkrankten Tieren durch ulzerös zerfallende Papeln, durch Aerosole und über Tröpfcheninfektionen. Viren lassen sich im Augen- und Nasensekret, im Speichel und in den Hautläsionen nachweisen. Sie finden sich auch im Harn, im Kot, im Samen und in der Milch. Der Nachweis einer transplazentaren Übertragung konnte wissenschaftlich dokumentiert werden. Die indirekte Übertragung durch Haare und Wolle, in denen das Virus mehrere Monate überdauern kann, oder mechanische Übertragung durch Insekten (Stallfliegen) ist möglich, aber seltener als eine direkte Übertragung. Nicht fachgemäß behandelte Tierhäute und Felle sind ebenfalls wichtige Verbreitungsquellen der Erreger.

Auch die Ansteckung über kontaminiertes Stallequipment, Arbeitsgeräte und Transportfahrzeuge kann aufgrund der Langlebigkeit der Viren in abgestoßenen erregerhaltigen Hautpartikel nicht ausgeschlossen werden.

Diagnose

Labordiagnose: Bei Verdacht wird das Probenmaterial (Tierkörper, Hautbiopsie, Speichel, Nasen-, Augentupfer (nativ ohne Tupfertransportmittel), EDTA-Blut, Vollblut/Serum) vom Amtstierarzt genommen und über das VIS an das Nationale Referenzlabor für Capripox eingesandt. Dies gilt auch für die Ausschlussuntersuchung. Bei der Detektion der Infektion sollten, wenn möglich, molekularbiologische (PCR) und serologische Verfahren (ELISA) parallel eingesetzt werden.

Die Abklärung, ob es sich um Capripocken handelt, kann innerhalb eines Arbeitstages nach Eintreffen der Probe erfolgen; weitere Differenzierungen im Rahmen der Ausschluss-Untersuchung: zwei (z.B. bei Parapocken – Lippengrind) bis mehrere Arbeitstage.

Untersuchendes Labor: AGES – Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen Mödling, Nationales Referenzlabor für Capripocken, Robert Kochgasse 17, 2340 Mödling; Tel. Nr. 0043 50555 38112, E-Mail: vetmed.moedling@ages.at.

Differentialdiagnose: Blauzungenkrankheit, Maul- und Klauenseuche, Pest der kleinen Wiederkäuer, Lippengrind, Infektionen mit dem Ovinen Herpesvirus 2 (OvHV-2), idiopathische Ulzeration, Moderhinke, Insektenstiche, Fotosensibilität.

Gesetzliche Grundlagen

Spezifische Behandlungen für Schaf- und Ziegenpocken sind nicht verfügbar und entsprechen nicht der Gesetzeslage (siehe AHL).

Durchführungsbeschluss (EU) 2026/1797

Durchführungsbeschluss (EU) 2026/1408

Durchführungsbeschluss (EU) 2026/1366

Weitere Informationen und nützliche Referenzen

AGES

WOAH: Steckbrief Schaf- und Ziegenpocken

EFSA: Krankheitsprofile - Sheep and GoatPox

TGÖ: Schaf- und Ziegenpocken - Tiergesundheit Österreich

Stand: 24.09.2026