World Organisation for Animal Health (WOAH)

The State of the World’s Animal Health 2026

Die behördliche Tierseuchenüberwachung ist weit mehr als die Kontrolle einzelner Tierkrankheiten. Sie schützt Tierbestände, sichert die Lebensmittelversorgung, unterstützt den internationalen Handel, reduziert wirtschaftliche Schäden und trägt wesentlich zur Prävention zoonotischer Erkrankungen und möglicher Pandemien bei.

Der WOAH-Bericht 2026 betont, dass Investitionen in leistungsfähige Veterinärdienste, Überwachungssysteme und Früherkennungsmaßnahmen zu den wirksamsten und wirtschaftlich sinnvollsten Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge gehören.

Die behördliche Tierseuchenüberwachung ist ein zentrales Instrument zum Schutz der Tiergesundheit, der öffentlichen Gesundheit, der Lebensmittelsicherheit sowie der landwirtschaftlichen Produktion. Der WOAH-Bericht zeigt, dass Tierseuchen weltweit zunehmen, sich in neue Regionen ausbreiten und zunehmend auch neue Tierarten betreffen. Gleichzeitig stammen rund 75 % der neu auftretenden Infektionskrankheiten des Menschen ursprünglich aus dem Tierreich. Damit stellt die Tierseuchenüberwachung eine wesentliche Säule des One-Health-Ansatzes dar und dient der Prävention zukünftiger Gesundheitskrisen. zum Bericht (englisch) woah.org)

Darüber hinaus verursachen Tierseuchen erhebliche wirtschaftliche Schäden. Mehr als 20 % der weltweiten Nutztierproduktion gehen jährlich durch Krankheiten verloren. Große Seuchenausbrüche wie die Afrikanische Schweinepest, die Maul- und Klauenseuche oder die Aviäre Influenza führen zu Produktionsausfällen, Handelsbeschränkungen und hohen Bekämpfungskosten. Frühzeitige Erkennung und rasches Eingreifen durch die Veterinärbehörden sind daher wesentlich kostengünstiger als die Bewältigung eines bereits ausgebrochenen Seuchengeschehens.

Aufgaben der behördlichen Tierseuchenüberwachung

Die Veterinärbehörden erfüllen im Rahmen der Tierseuchenüberwachung mehrere Kernaufgaben:

1. Früherkennung und Monitoring

  • Laufende Überwachung von Tierbeständen und Wildtierpopulationen.

  • Durchführung von Stichprobenuntersuchungen, Monitoringprogrammen und epidemiologischen Erhebungen.

  • Sammlung, Analyse und Bewertung von Gesundheitsdaten zur frühzeitigen Erkennung von Seuchenausbrüchen. 

2. Meldung und Informationsmanagement

  • Bewertung von Verdachtsmeldungen.

  • Dokumentation und Weiterleitung von Seuchenereignissen an nationale und internationale Meldesysteme.

  • Bereitstellung aktueller Informationen für Tierhalter, Tierärzte und Entscheidungsträger. 

3. Risikobewertung und Prävention

  • Analyse von Eintrags- und Verbreitungsrisiken.

  • Entwicklung von Präventionsstrategien und Biosicherheitsmaßnahmen.

  • Planung und Durchführung von Impf- und Bekämpfungsprogrammen.

  • Kontrolle des Tierverkehrs und des Handels mit Tieren und tierischen Produkten.

4. Bekämpfung von Tierseuchen

  • Anordnung und Überwachung von Quarantäne-, Sperr- und Sanierungsmaßnahmen.

  • Epidemiologische Untersuchungen zur Ermittlung von Infektionsquellen und Kontaktbetrieben.

  • Koordination von Tilgungsmaßnahmen bei Ausbrüchen anzeigepflichtiger Tierseuchen.

  • Überwachung der Einhaltung rechtlicher Vorgaben durch Tierhalter und Betriebe.

5. Schutz der öffentlichen Gesundheit

  • Überwachung von Zoonosen, die zwischen Tier und Mensch übertragen werden können.

  • Reduzierung des Einsatzes antimikrobieller Mittel durch Prävention und Impfprogramme.

  • Pandemieprävention im Sinne des One-Health-Ansatzes durch die Überwachung von Erkrankungen bei Mensch und Tier sowie relevanten Veränderungen in der Umwelt.

Aktuelle Herausforderungen

Der WOAH-Bericht weist darauf hin, dass Tierkrankheiten heute schneller und über größere Entfernungen verbreitet werden als früher. Ursachen sind unter anderem Globalisierung, intensiver Tierhandel, Klimawandel und Veränderungen von Ökosystemen. Gleichzeitig zeigen die WOAH-Daten, dass in einem Teil der Länder die Kapazitäten der Veterinärdienste zurückgehen, wodurch die Fähigkeit zur Seuchenerkennung und Krisenbewältigung geschwächt wird.

 

Die WOAH (World Organisation for Animal Health) ist die weltweit führende zwischenstaatliche Organisation für Tiergesundheit. Sie wurde 1924 gegründet (damals als OIE – Office International des Épizooties) und hat ihren Sitz in Paris. Heute gehören ihr 183 Mitgliedstaaten an. Die WOAH ist die internationale Referenzorganisation für Tierseuchen, Tiergesundheit und Tierschutz.

Die WOAH:

  • entwickelt internationale Standards zur Tiergesundheit und zum Tierschutz,

  • sammelt und veröffentlicht weltweit Informationen über Tierseuchen,

  • koordiniert die internationale Zusammenarbeit bei Tierseuchenausbrüchen,

  • unterstützt Länder beim Aufbau leistungsfähiger Veterinärdienste,

  • fördert die Überwachung und Bekämpfung von Zoonosen (vom Tier auf den Menschen übertragbare Krankheiten),

  • trägt zur sicheren internationalen Vermarktung von Tieren und tierischen Produkten bei. 

Für die Veterinärverwaltung ist die WOAH besonders wichtig, weil ihre Standards international anerkannt sind und unter anderem von der World Trade Organization als Referenz für den Handel mit Tieren und tierischen Erzeugnissen verwendet werden. 

Wie ist Österreich vertreten?

Jedes Mitgliedsland entsendet einen offiziellen WOAH-Delegierten („Delegate“). Dieser ist in der Regel der oberste Veterinärbeamte bzw. die oberste Veterinärbeamtin des Landes (Chief Veterinary Officer, CVO). Die Delegierten bilden gemeinsam die Weltdelegiertenversammlung, das höchste Entscheidungsgremium der WOAH. 

Dr. Ulrich Herzog ist der österreichische WOAH-Delegierte und Chief Veterinary Officer sowie 1. Vizepräsident der WOAH-Regionalkommission Europa. Er vertritt Österreich in internationalen Fragen der Tiergesundheit und wirkt maßgeblich an der Entwicklung europäischer Strategien zur Tierseuchenbekämpfung, Tiergesundheit und zum Tierschutz mit.

Bedeutung für Österreich

Für Österreich ist die Mitarbeit in der WOAH besonders wichtig, weil:

  • Tierseuchen wie Aviäre Influenza, Afrikanische Schweinepest oder Maul- und Klauenseuche grenzüberschreitend auftreten,

  • internationale Meldungen über das WOAH-System WAHIS eine rasche Risikobewertung ermöglichen,

  • WOAH-Standards die Grundlage für Tiergesundheitsprogramme und Handelszertifikate bilden,

  • die Anerkennung des Tiergesundheitsstatus durch die WOAH den Export österreichischer Tiere und tierischer Produkte unterstützt. 

 

Veranstaltung

One Health Konferenz im Juni 2024 in Wien

Im Jahr ihres 100 jährigen Bestehens der „World Organisation for Animal Health (WOAH)“ wurde im Juni 2024 gemeinsam mit der WHO, der FAO und der UNEP und mit Unterstützung des Veterinärbereichs des BMSGPK und der AGES ein wichtiges Quadriparteit-Treffen des europäischen Raums an der Veterinärmedizinischen Universität Wien abgehalten. Das Treffen in Wien wurde von Sektionsleiter Dr. Ulrich Herzog eröffnet, er wurde kürzlich erneut zum 1. Vizepräsident der Regionalkommission der Region Europa gewählt. Gleichzeitig war dies die letzte öffentliche Veranstaltung von WOAH Generaldirektorin Dr. Monique Eloit, welche mit 1. August 2024 das Amt an Dr. Emanuell Souberyran übergibt.

Diese Veranstaltung ist Teil einer Reihe von Konferenzen und Workshops, die weltweit organisiert werden, um die Wichtigkeit des „One-Health“-Ansatzes hervorzuheben und die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen zu fördern. Die enge Verbindung zwischen tierischer, menschlicher und ökologischer Gesundheit wird angesichts der globalen Herausforderungen durch zoonotische Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden sowie durch den Treiber der globalen Klimaveränderung immer deutlicher.

Bei der Konferenz in Wien sind Vertreter:innen der Sektoren öffentliche Gesundheit, Tiergesundheit und Umweltgesundheit aus 53 Ländern in Europa und Zentralasien zusammengekommen um aktuelle Herausforderungen und Fortschritte zu diskutieren

Sektionsleiter Ulrich Herzog als Vizepräsident der Regionalkommission Europa bestätigt

Wien (OTS) - Expert:innen internationaler Organisationen aus insgesamt 53 europäischen Ländern beraten von 11. bis 13. Juni an der VetMed in Wien über einen gemeinsamen One-Health-Aktionsplan und Leitlinien für seine Umsetzung. Die Teilnehmer:innen der One-Health-Konferenz kommen aus der sogenannten Quadripartite. Sie besteht aus der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH), der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP). Österreich ist unter anderem durch den Sektionsleiter im Sozialministerium, Ulrich Herzog, vertreten, der kürzlich erneut zum 1. Vizepräsidenten der Regionalkommission für Europa gewählt wurde. ***

„One Health“ ist ein integrativer Ansatz zur Bekämpfung von Gesundheitsbedrohungen. Die Gesundheit von Mensch, Tier, Pflanzen und Umwelt wird als gemeinsames System betrachtet. Die große Bedeutung dieses integrativen Ansatzes zeigte sich zuletzt bei der Corona-Pandemie.

Die One-Health-Konferenz in Europa wird von der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) veranstaltet. 120 Expert:innen der Quadripartite treffen sich derzeit in Wien, 100 sind online zugeschaltet. Sie arbeiten an der Umsetzung des gemeinsamen Aktionsplans One Health. Themen sind beispielsweise die Lebensmittelsicherheit, der Umgang mit Zoonosen oder antimikrobiellen Resistenzen. Ziel ist es, Möglichkeiten und bewährte Praktiken für die Umsetzung des One-Health-Ansatzes zu diskutieren.

„Die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt ist ein Zusammenspiel. Nur wenn wir das verstehen und konsequent nach diesem Grundsatz handeln, können wir neue Herausforderungen für die globale Gesundheit bewältigen – etwa antimikrobielle Resistenzen oder Krankheiten, die von Tieren auf den Menschen überspringen. Wir müssen unsere Strategien dazu gut koordinieren und konsequent umsetzen“, so Gesundheitsminister Johannes Rauch.

Die Konferenz in Wien wird von der "World Organisation for Animal Health" organisiert, die heuer ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Hauptgrund für die Gründung war die Notwendigkeit, die Ausbreitung von Tierseuchen zu kontrollieren und zu verhindern, die nicht nur Tierbestände, sondern auch die menschliche Gesundheit und die Landwirtschaft ernsthaft gefährden. Gleichzeitig ist es die letzte öffentliche Veranstaltung von WOAH-Generaldirektorin Dr. Monique Eloit, die am 1. August 2024 ihr Amt an Dr. Emanuell Souberyran übergibt.

Teilnehmer der One Health Konferenz in Wien
Eröffnung SL Dr. Herzog
Eröffnung GD Dr. Eloit