Chytridiomykose (BSAL) Batrachochytrium salamandrivorans
(auch Salamanderpest oder Salamanderfresser)
 

Aktuelles

Bei gehaltenen Tieren wurde Bsal in Belgien, Deutschland, den Niederlanden, Spanien und dem Vereinigten Königreich nachgewiesen. In allen genannten Ländern, außer dem Vereinigten Königreich wurden auch Infektionen in freier Natur festgestellt.

Im August 2026 kam es in Deutschland in Bayern zu vermehrten Ausbrüchen.

In Österreich wurde der Erreger bei Proben von Amphibien bisher nicht nachgewiesen.

Studie „Alpine salamanders at risk? The current status of an emerging fungal pathogen“ aus 2024 (englisch):

https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0298591

Review “Batrachochytrium salamandrivorans’ Amphibian Host Species and Invasion Range” aus 2023 (englisch): https://www.researchgate.net/publication/366950493_Batrachochytrium_salamandrivorans'_Amphibian_Host_Species_and_Invasion_Range

Was ist Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal)?

Bsal ist ein pathogener Pilz der Klasse Chytridiomycetes, der bei europäischen Schwanzlurchen (Salamander und Molche) die Haut befällt und meist zum Tod führt. Der Pilz kommt ursprünglich aus Asien. Die dort heimischen Amphibien erkranken nicht, da sie bereits eine Abwehr bilden konnten. In Europa wurde der Erreger eingeschleppt und befällt die hier lebenden Tiere, die naiv sind.

Die Pilzerkrankung kann in den Salamanderpopulationen zu Massensterben führen und ist in der EU meldepflichtig. Der Mensch ist NICHT empfänglich für den Erreger, kann jedoch zu einer Verschleppung beitragen.

Mehr Informationen finden Sie auf:

Batrachochytrium salamandrivorans - AGES

Einen guten Überblick bietet folgender Informationsfolder des Zoo Schönbrunn:

https://www.zoovienna.at/media/uploads/dokumente/bsal_folder_2025_-_onlineversion_-_deutsch.pdf

Erreger

Batrachochytrium salamandrivorans ist ein Pilz der Klasse der Chytridiomycetes, der Ordnung Rhizophydiales und der Gattung Batrachochytrium. Der Pilz ist nahe verwandt mit Batrachochytrium dendrobatidis (Bd, Chytridpilz).

Mischinfektionen von Bsal und Bd sind möglich. Während es beim Befall mit dem Chytridpilz nur zur Hyperplasie bzw. Hyperkeratose kommt, entstehen bei Pilzinfektionen mit Bsal auch tiefe über den Körper verteilte Geschwüre. Die Keratinozyten an den Rändern der Läsionen sind nekrotisch und enthalten einen Thallus.

Der Pilz bildet infektiöse Zoosporen aus, die beweglich sind und der Verbreitung dienen. Außerdem können Dauersporen gebildet werden, die auch bei widrigen Bedingungen über längere Zeit in der Umwelt überleben (in Boden oder Wasser). Optimale Temperaturen für Bsal sind 10-15°C, bei Temperaturen ab 25°C für eine Dauer von 5 Tagen stirbt der Pilz ab.

Übertragung

Alle Amphibienarten können sich infizieren. Vor allem Schwanzlurche sind betroffen. Froschlurche zeigen keine Symptome, können den Pilz aber übertragen. Der Erreger ist hochansteckend und wird durch direkten Kontakt von Tier zu Tier oder indirekt über tierische Beiprodukte, verseuchte Terrarien oder Einrichtungsgegenstände übertragen. In freier Natur ist eine Verschleppung des Pilzes aus dem verseuchten Gebiet durch Vögel, andere Tiere oder auch Menschen möglich. Über große Distanzen verbreitet er sich durch Handel mit infizierten, symptomlosen Amphibien oder das Freisetzen von solchen.

Symptome

Die Inkubationszeit beträgt etwa eine Woche. Der Pilz befällt die Haut und führt zu Hautläsionen und -geschwüren, die sich anschließend bakteriell infizieren können und meist innerhalb einer Woche tödlich sind.

Da der Hautpilz die keratinhaltigen Bestandteile der Haut angreift, die während des Larvenstadiums noch fehlen, sind nur adulte Tiere betroffen. Die Klinik variiert je nach Amphibienart. Beim Feuersalamander zeigen sich meist runde, schwarz umrandete, oberflächliche Hautläsionen oder auch tiefgreifende Geschwüre. Diese sind oft von Bakterien besiedelt. Die Schwanzlurche zeigen eine kurze Phase von Anorexie, Ataxie, Lethargie bzw. Apathie, bevor sie an der Infektion versterben.

Weitere Informationen zur Krankheit finden sich auf der Seite der AGES

Verbreitung/Lage in Österreich

Zwischen 2009 und 2022 wurden in mehreren Studien Proben von österreichischen Lurchen untersucht. Bisher wurde der Erreger in Österreich nicht festgestellt.

In den europäischen Ländern, in denen der Pilz in die Amphibienpopulation eingetragen wurde, kam es bereits zum lokalen Aussterben von Salamanderpopulationen.

Im August 2026 kam es zu vermehrten Ausbrüchen in Deutschland in Bayern. Hier findet sich eine kurzgefasste Präsentation zum aktuellen Vorkommen in Bayern (PDF, 793 KB). 

Bekämpfung & Maßnahmen

Aufgrund der Empfindlichkeit gegen Temperaturen von über 25 °C kann eine Haltung des betroffenen Tieres bei entsprechenden Temperaturen therapeutisch wirken.

Gemäß Delegierter Verordnung (EU) 2018/1629 ist die Krankheit in der EU eine Tierseuche und anzeigepflichtig. In der EU ist gemäß Durchführungsverordnung (EU) 2018/1882 die Infektion von Caudata (Schwanzlurche) mit Batrachochytrium salamandrivorans als Seuche der Kategorie D+E gelistet. Eine Verbreitung des Erregers über den Handel muss daher vermieden werden. Das Vorliegen einer Infektion mit Bsal ist in der EU meldepflichtig. Die Krankheit ist gemäß Durchführungsverordnung (EU) 2020/2002 meldepflichtig innerhalb von 24 Stunden nach Bestätigung eines Ausbruches.

Beim Zukauf von Schwanzlurchen sollten die Tiere genau auf Pilzinfektionen untersucht und vor dem Kontakt zum vorhandenen Tierbestand in Quarantäne gehalten werden. Tierische Beiprodukte von infizierten Schwanzlurchen müssen für 10 Tage einer Hitzebehandlung von 25°C unterzogen werden, um nicht mehr infektiös zu sein. Terrarien und deren Ausstattung sollten gründlich desinfiziert werden, wenn sie mit infektiösen Tieren in Kontakt waren. Auch schwanzlose Lurche (Frösche, Kröten oder Unken) können als Überträger fungieren ohne dabei Symptome zu zeigen.

Ein systematisches Monitoring existiert in Österreich noch nicht. Derzeit gibt es keine Hinweise auf Infektionen in österreichischen Amphibienpopulationen. Bei einem Verdacht auf Infektion sollten die Tiere umgehend mykologisch untersucht werden.

Zur Vermeidung einer Weiterverbreitung sollten keine Amphibien eingefangen oder freigesetzt werden. Auch Abwässer und Einrichtungsgegenstände aus Terrarien sollten nicht in der freien Natur entsorgt werden.

Beim Fund toter Amphibien sollten diese nicht eingesammelt, sondern bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde gemeldet werden. Nach Wanderungen an Standorten, an denen sich viele Amphibien aufhalten, kann eine Reinigung von Schuhwerk helfen, insbesondere vor dem Besuch weiterer Amphibienhabitate. Auch Autoreifen oder Geräte/Werkzeuge/Fahrzeugreifen können als mechanische Vektoren fungieren.

Was tun bei Verdachtsfall?

Tote Amphibien, die in freier Natur gefunden werden und verdächtig für eine Infektion mit Bsal sind, sollen nicht eingesammelt werden, sondern sind der zuständigen Stelle zu melden (s.o.).

Die Hautläsionen treten bei vielen Arten erst kurze Zeit vor dem Tod auf. Untersuchungen mittels ELISA- oder Kultivierung sind unsicher. Zur Diagnostik wird eine molekularbiologische Analyse (Duplex-qPCR, gemäß EFSA 2018) verwendet. Probenmaterial von lebenden Tieren ist hierfür der Hautabstrich. Bei Wildtieren fällt eine Infektion oft erst beim Fund toter Tiere auf, diese können neben der molekularbiologischen Analyse auch einer histologischen Untersuchung der Hautläsionen unterzogen werden. In Österreich gibt es derzeit kein Referenzlabor für amtliche Untersuchungen auf Bsal. Der Zoo Schönbrunn untersuchte im Rahmen eines Forschungsprojektes Proben von Salamandern auf das Vorkommen des Pilzes. Hierbei wurden keine positiven Tiere in Österreich festgestellt.

Letzte Aktualisierung: 18.09.2026