Maul- und Klauenseuche (MKS): Rückblick und historische Entwicklung

Diese Seite bietet einen Überblick über vergangene Ereignisse zur Maul- und Klauenseuche (MKS) und deren Entwicklung.

Ausgehend von der weltweiten Verbreitung und den MKS-Ausbrüchen in europäischen Nachbarländern wird zunächst ein Rückblick auf die Situation im Jahr 2025 gegeben und deren Bedeutung für Österreich dargestellt.

Darüber hinaus wird die historische Entwicklung der Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche beleuchtet, insbesondere anhand des Ausbruchs in Österreich im Jahr 1973 sowie der seitherigen Veränderungen im Umgang mit Tierseuchen.

Informationen zur aktuellen Lage und Maßnahmen finden Sie auf der Seite Maul- und Klauenseuche.

Inhalte

Ein Jahr nach den MKS-Ausbrüchen - Rückblick

MKS weltweit weiterhin verbreitet

Die MKS ist nach wie vor weltweit verbreitet und tritt in mehreren Regionen Afrikas, Asiens und des Nahen Ostens endemisch auf. Für Europa ist insbesondere die epidemiologische Situation in der Türkei sowie in angrenzenden Regionen Westasiens von Bedeutung, da dort verschiedene Virusserotypen dauerhaft zirkulieren.

Im Jahr 2024 und 2025 wurde zudem über das Auftreten des normalerweise in Afrika verbreiteten Serotyps SAT-1 im Nahen Osten berichtet, unter anderem im Irak und in Bahrain. Das Auftreten dieses Serotyps außerhalb seines bisherigen Hauptverbreitungsgebietes verdeutlicht die Dynamik des globalen Seuchengeschehens und dass sich die epidemiologische Situation rasch verändern kann.

Im Mai 2022 trat die MKS nach jahrzehntelanger Seuchenfreiheit in Indonesien wieder auf. Die Seuche breitete sich rasch aus und führte zeitweise zu sehr hohen Fallzahlen. In zahlreichen ländlichen Gebieten Indonesiens stellt die Rinderhaltung eine zentrale Einkommensquelle für Haushalte dar. Erkrankungen oder Verluste von Nutztieren können daher unmittelbare Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation der betroffenen Familien haben und die Lebensgrundlage bedrohen.

In einigen Regionen erschweren zudem eingeschränkte Zugänge zu veterinärmedizinischer Betreuung und Diagnostik eine rasche Früherkennung von Tierseuchen. Lokale Unterstützungsnetzwerke und freiwillige Helfer:innen leisten daher einen wichtigen Beitrag bei der Information der Bevölkerung sowie bei Maßnahmen zur Eindämmung der Tierseuche.

Die Eindämmung der Ausbrüche in Indonesien zeigte zudem die zentrale Bedeutung von Biosicherheitsmaßnahmen. Dazu gehörten insbesondere verstärkte Überwachungsmaßnahmen sowie Schulungen von Fachpersonal im Bereich Tiergesundheit und Quarantäne. Darüber hinaus wurden Maßnahmen zur Verbesserung der betrieblichen Biosicherheit sowie zur Kontrolle von Tierbewegungen umgesetzt. Internationale Unterstützungsmaßnahmen trugen zur Stabilisierung der Situation bei.

Die weltweite Verbreitung der MKS sowie die Erfahrungen aus betroffenen Regionen zeigen, dass ein Eintrag der Tierseuche auch in MKS-freien Staaten grundsätzlich möglich bleibt. Vor diesem Hintergrund wurden die im Jahr 2025 bestätigten Ausbrüche der MKS in mehreren europäischen Staaten besonders aufmerksam verfolgt.

MKS Ausbrüche in Europa

Im Jahr 2025 wurden mehrere Ausbrüche der MKS in Europa festgestellt. Betroffen waren  Deutschland, Ungarn und die Slowakei. Gleichzeitig ist die MKS in der Türkei weiterhin endemisch verbreitet. Aufgrund der geografischen Nähe einzelner Ausbruchsbetriebe zur österreichischen Staatsgrenze kam den Entwicklungen besondere Bedeutung zu.

MKS-Ausbrüche in Ungarn und der Slowakei im Jahr 2025

Deutschland

Der erste bestätigte Ausbruch im Jahr 2025 wurde am 10. Jänner 2025 im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg (Deutschland) festgestellt. Es handelte sich um den ersten Ausbruch in Deutschland seit dem Jahr 1988. Betroffen war ein Bestand mit Wasserbüffeln. Die zuständigen Behörden leiteten unmittelbar Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche ein, darunter die Einrichtung von Schutz- und Überwachungszonen sowie Einschränkungen des Tierverkehrs in der betroffenen Region.

Auch in Österreich wurde die Seuchenlage nach Bekanntwerden des Ausbruchs aufmerksam beobachtet und im Rahmen bestehender Vorsorgestrukturen bewertet.

Trotz umfangreicher Beprobungen und Untersuchungen im empfänglichen Haus- und Wildtierbestand in Brandenburg wurden keine zusätzlichen Ausbrüche festgestellt. Deutschland konnte in der Folge am 14. April 2025 wieder den Status „Maul- und Klauenseuche (MKS)-frei ohne Impfung“ erlangen.

Ungarn

Im März 2025 traten mehrere Ausbrüche der MKS im ungarischen Komitat Győr-Moson-Sopron auf. Der erste Verdachtsfall wurde am 7. März 2025 offiziell bestätigt. Betroffen war ein Milchviehbetrieb mit mehr als 1.400 Rindern in Grenznähe zur Slowakei.

In den darauffolgenden Wochen wurden insgesamt fünf Ausbrüche in der Region festgestellt. Teile der eingerichteten Überwachungszonen reichten bis in das österreichische Staatsgebiet.

Nach Bekanntwerden der Ausbrüche wurden in Österreich umgehend epidemiologische Abklärungen durchgeführt. Dazu gehörte insbesondere eine retrospektive Auswertung von Tierverbringungen empfänglicher Tierarten aus Ungarn nach Österreich im Zeitraum von 21 Tagen vor Seuchenbestätigung. Dabei wurden klinische Untersuchungen sowie Probenziehungen bei betroffenen Tierbeständen durchgeführt. Hinweise auf eine Einschleppung der Seuche nach Österreich ergaben sich nicht.

Mit dem Ausbruch am 26. März 2025 in der Region Győr wurde eine Überwachungszone eingerichtet, die bis in Teile des Burgenlands reichte. In Österreich wurden daraufhin entsprechende Sperrzonen festgelegt und Betriebserhebungen in den betroffenen Regionen durchgeführt.

Slowakei

Nicht lange nach dem ersten Ausbruch in Ungarn wurde am 21.03.2025 auch in der Slowakei der erste Ausbruch der MKS bestätigt. Insgesamt waren sechs Betriebe betroffen, insbesondere im Südwesten des Landes in den Bezirken Dunajská Streda und Komárno nahe der Grenzen zu Österreich und Ungarn sowie ein weiterer Betrieb im Bezirk Malacky nördlich von Bratislava.

Aufgrund der geografischen Nähe einzelner betroffener Betriebe zur österreichischen Staatsgrenze kam der Seuchendynamik besondere Bedeutung zu. Im Zusammenhang mit einem Ausbruch im Raum Bratislava reichte eine eingerichtete Überwachungszone bis in das österreichische Staatsgebiet.

Auch in diesem Zusammenhang wurden in Österreich ergänzende Lagebewertungen durchgeführt und Vorsorgemaßnahmen umgesetzt, insbesondere im Hinblick auf Tierverbringungen sowie auf Überwachungsmaßnahmen in den betroffenen Grenzregionen.

 

Österreichs Umgang mit den grenznahen Ausbrüchen

Aufgrund der räumlichen Nähe des Ausbruchsgeschehens in Ungarn und der Slowakei wurden in Österreich bereits frühzeitig umfassende Vorsorgemaßnahmen gesetzt. Ziel war es insbesondere, einen möglichen Eintrag der MKS rasch zu erkennen und eine Weiterverbreitung verhindern zu können. Nach Bekanntwerden des ersten Ausbruchs wurden bestehende Vorsorgestrukturen aktiviert und laufende Lagebewertungen zwischen Bund, Ländern und weiteren Organisationen durchgeführt.

Dazu gehörten auch Abklärungen zu verfügbaren Kapazitäten im Bereich Personal und Ausrüstung sowie vorsorgliche Abstimmungen mit den Tierkörperverwertungsanstalten im Hinblick auf mögliche Anforderungen im Seuchenfall.

Im Zusammenhang mit den grenznahen Ausbrüchen wurden in Österreich Sperr- und Überwachungszonen entlang der Staatsgrenzen zu betroffenen Regionen eingerichtet. In diesen Zonen erfolgten verstärkte Kontrollen in landwirtschaftlichen Betrieben sowie zusätzliche Überwachungsmaßnahmen bei empfänglichen Tierarten. Zusätzlich wurden Tierverbringungen aus betroffenen Regionen retrospektiv ausgewertet. In betroffenen Betrieben wurden klinische Untersuchungen durchgeführt und gegebenenfalls Proben entnommen. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der Umsetzung und Kontrolle betrieblicher Biosicherheitsmaßnahmen.

Im Burgenland und in Niederösterreich wurden mehr als 11.000 Tiere untersucht und rund 2.000 Betriebe kontrolliert. Insgesamt wurden bis Mai 2025 mehr als 20.000 Proben im Nationalen Referenzlabor in der AGES IVET Mödling untersucht. Die umfangreichen behördlichen und labortechnischen Untersuchungen dienten insbesondere der frühzeitigen Erkennung eines möglichen Seucheneintrags sowie der Absicherung des Status Österreichs als MKS-freies Land.

Maßnahmen an der Grenze

Im Zusammenhang mit den grenznahen Ausbrüchen wurden zusätzlich Maßnahmen im Bereich der Grenzüberwachung gesetzt. Dazu gehörten unter anderem verstärkte Kontrollen an ausgewählten Grenzübergängen zu betroffenen Regionen sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Fahrzeughygiene im grenzüberschreitenden Verkehr. Ergänzend wurden einzelne kleinere Grenzübergänge vorübergehend geschlossen.

An ausgewählten Grenzübergängen wurden außerdem Desinfektionsmaßnahmen für Fahrzeuge eingerichtet. Die sogenannten „Seuchenteppiche“ dienten der Verringerung des Risikos einer indirekten Einschleppung des Virus über Fahrzeugreifen oder kontaminierte Oberflächen. Insgesamt wurden 13 Seuchenteppiche an Landesstraßengrenzübergängen sowie 7 Seuchenteppiche an Autobahngrenzübergängen errichtet. Die Umsetzung wurde durch Assistenzleistungen des österreichischen Bundesheeres ermöglicht.

Mit der veterinärbehördlichen Grenzüberwachungsverordnung wurde zudem eine Rechtsgrundlage für Maßnahmen zur Kontrolle und Desinfektion im grenzüberschreitenden Verkehr geschaffen.

Handelsrestriktionen als Auswirkung

Bereits das Auftreten von MKS-Ausbrüchen in unmittelbarer Nähe zur österreichischen Staatsgrenze führte zu Auswirkungen auf den internationalen Handel mit lebenden Tieren und tierischen Produkten. Einige Drittländer sowie einzelne EU-Mitgliedstaaten setzten vorsorglich Marktbeschränkungen als Reaktion auf die epidemiologische Lage.

Zur Bewertung der handelspolitischen Auswirkungen sowie zur Abstimmung weiterer Schritte erfolgte ein laufender Austausch mit internationalen Behörden und Organisationen sowie mit Exporteuren und Wirtschaftsvertretern. Die letzten handelsbezogenen Beschränkungen wurden im September 2025 wieder aufgehoben.

Handelsbeschränkungen stellen eine typische Folge von MKS-Ausbruchsgeschehen dar, da der Status „frei von Maul- und Klauenseuche ohne Impfung“ eine wesentliche Grundlage für den internationalen Handel mit empfänglichen Tierarten und tierischen Produkten bildet.

Informationskampagne

Parallel zu den veterinärbehördlichen Maßnahmen wurden umfassende Informationsmaßnahmen für landwirtschaftliche Betriebe, Fachkreise sowie die Öffentlichkeit umgesetzt. Ziel war es insbesondere über die aktuelle Seuchenlage zu informieren, auf notwendige Biosicherheitsmaßnahmen hinzuweisen und die Aufmerksamkeit für mögliche Krankheitssymptome zu erhöhen.

Seitens des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) wurde insbesondere die Website „verbrauchergesundheit.gv.at“ als zentrale Informationsplattform genutzt. Dort wurden laufend aktualisierte Informationen zur Maul- und Klauenseuche bereitgestellt. Ergänzend wurden zielgruppenspezifische FAQs veröffentlicht sowie Informationsmaterialien für verschiedene Nutzergruppen zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus wurden Informationsplakate unter anderem an Verkehrsknotenpunkten angebracht, um Reisende auf Vorsorgemaßnahmen hinzuweisen.

Auch die AGES setzte begleitende Kommunikationsmaßnahmen um. Dazu gehörten insbesondere Beiträge in sozialen Medien sowie die Bereitstellung fachlicher Informationsinhalte zur Maul- und Klauenseuche.

Zusätzlich wurden die Podcast-Beiträge „Tierseuchen im Überblick – Ulrich Herzog mit Hannes Royer“ und „Tot geglaubte leben länger – AGES Podcast“ veröffentlicht.

Infomaterial Übersicht

Einordnung und weitere Entwicklungen

Die Ausbruchsgeschehen im Jahr 2025 in mehreren europäischen Nachbarstaaten machten deutlich, dass auch Regionen mit langjähriger Seuchenfreiheit jederzeit von einem Eintrag der Maul- und Klauenseuche betroffen sein können. Durch die frühzeitig getroffenen Vorsorgemaßnahmen sowie die enge Zusammenarbeit zwischen EU-Mitgliedstaaten, Bund, Ländern und weiteren beteiligten Stellen konnte in Österreich ein Eintrag der Tierseuche verhindert werden.

Gleichzeitig unterstreichen die weltweite Verbreitung der MKS sowie aktuelle Entwicklungen in endemischen Regionen, dass sich die epidemiologische Situation rasch verändern kann. Beispiele wie das Wiederauftreten der Tierseuche in Indonesien im Jahr 2022 oder das Auftreten neuer Virusvarianten außerhalb ihrer bisherigen Hauptverbreitungsgebiete verdeutlichen die Dynamik des globalen Seuchengeschehens.

Auch im Jahr 2026 kam es erneut zu Ausbruchsgeschehen innerhalb Europas. Am 16. März 2026 wurde ein Ausbruch der Maul- und Klauenseuche auf der griechischen Insel Lesbos in einem Betrieb mit Rindern und Schafen bestätigt. Es handelte sich um den ersten Ausbruch in dieser Region seit 1994.

Seit Februar 2026 wurden außerdem mehrere Ausbrüche der Maul- und Klauenseuche im Distrikt Larnaca im Südosten der Republik Zypern bestätigt. Betroffen waren vor allem Schaf- und Ziegenhaltungen. Dabei wurde der Serotyp SAT-1 nachgewiesen. Es handelte sich um die ersten Ausbrüche im regierungskontrollierten Teil Zyperns seit 2008. Bereits im Dezember 2025 waren zwei Ausbrüche im türkisch kontrollierten Teil der Insel gemeldet worden.

Diese Entwicklungen unterstreichen die Bedeutung konsequenter betrieblicher Biosicherheitsmaßnahmen, einer laufenden Überwachung der Tiergesundheit sowie eines fortlaufenden Informationsaustauschs auf nationaler und internationaler Ebene zur Verhinderung einer Einschleppung nach Österreich.

Alle aktuellen Informationen zur MKS finden Sie auf der Seite zur „Maul- und Klauenseuche“.

Bekämpfung damals und heute

Strukturelle Veränderungen der landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich von den 50ern bis heute

Seit den 1950er-Jahren hat sich die österreichische Landwirtschaft tiefgreifend gewandelt. Während 1951 noch rund 433.000 land- und forstwirtschaftliche Betriebe existierten, waren es 2020 nur noch etwa 155.000, ein Rückgang um 64 %. Gleichzeitig wuchs die durchschnittliche Betriebsfläche von 17,8 ha auf knapp 45 ha. Auch die landwirtschaftlich genutzte Fläche pro Betrieb stieg im gleichen Zeitraum von 9,4 ha auf 23,6 ha.

Besonders deutlich war der Strukturwandel in den Jahrzehnten vor und nach dem EU-Beitritt 1995. Zwischen 1980 und 1995 sank die Zahl der Haupterwerbsbetriebe von 144.000 auf 89.000, jene der Nebenerwerbsbetriebe von 174.000 auf 150.000. Nach dem EU-Beitritt setzte sich der Trend zwar fort, jedoch etwas abgeschwächt: Bis 2010 sank die Zahl der Haupterwerbsbetriebe weiter auf 74.000 und der Nebenerwerbsbetriebe auf 94.000.

Die Tierhaltung hat sich ebenfalls stark verändert. 1999 gab es noch 130.000 tierhaltende Betriebe mit durchschnittlich 16,2 Großvieheinheiten (GVE = Eine Großvieheinheit entspricht etwa 500 Kilogramm (so viel wiegt etwa ein ausgewachsenes Rind). Danach hat ein Kalb 0,4 GVE, ein Mastschwein 0,12 GVE, ein Pferd 1 GVE, ein Schaf 0,1 GVE und etwa 320 Legehennen entsprechen 1 GVE.), 2013 waren es nur noch 94.000 Betriebe, dafür mit durchschnittlich 20,2 GVE. Besonders deutlich war der Rückgang bei Schweine- und Schafhaltern nach dem EU-Beitritt. Parallel zur sinkenden Betriebszahl steigt die durchschnittliche Herdengröße.

Regional zeigen sich ebenfalls Unterschiede: In den Hochalpen ist die durchschnittliche Betriebsgröße kleiner und der Rückgang langsamer, während im Nordosten des Landes deutlich mehr Betriebe jährlich aufgeben.

Ein wesentlicher Treiber des Strukturwandels war, neben technischen Entwicklungen und ökonomischem Druck, auch der EU-Beitritt. Dieser führte zu verstärkter Marktorientierung, neuen Förderregelungen und strengen tierseuchenrechtlichen Vorgaben, die kleinere Betriebe oft weniger gut umsetzen konnten.

Betriebsgrößen 1951-2020

MKS Ausbruch 1973

Im Jahr 1973 wurde Österreich von einem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) getroffen. Die hochansteckende Viruserkrankung, die vor allem Paarhufer wie Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen betrifft, breitete sich innerhalb kurzer Zeit rasant aus – insbesondere in Niederösterreich, dem Burgenland und im Raum Wien. Insgesamt mussten mehr als 80.000 Tiere gekeult werden, um die Seuche unter Kontrolle zu bringen.

Trotz vorhandener Vorsichtsmaßnahmen erfasste die Seuche auch Institutionen wie die Veterinärmedizinische Universität Wien, die nach der Entdeckung eines MKS-Falls umgehend gesperrt wurde. Besonders eindrücklich schildert ein Erfahrungsbericht aus der Veterinärmedizinischen Universität Wien, wie schnell und unaufhaltsam sich die Maul- und Klauenseuche in einem Tierbestand ausbreitete. Innerhalb weniger Tage zeigten beinahe alle Tiere in der betroffenen Stallung Symptome. Die Seuche breitete sich durch direkten Kontakt und kontaminierte Materialien extrem schnell aus. Der Bericht macht deutlich, wie schwer es war, die Ausbreitung zu verlangsamen, sobald der Erreger einmal in einem Bestand war.

Sperrtafel MKS

Zur Eindämmung des Virus wurden drastische Maßnahmen ergriffen: In betroffenen Regionen galten sofortige Quarantänebestimmungen, Dutzende Orte, vor allem im Weinviertel, wurden abgesperrt. Fahrzeuge mussten beim Passieren Desinfektionsteppiche überqueren, um eine Weiterverbreitung zu verhindern. Öffentliche Veranstaltungen, darunter auch Fußballspiele, wurden abgesagt oder verschoben, was nicht nur den Alltag der Menschen, sondern auch ganze Ligen im österreichischen Fußball durcheinanderbrachte.

Desinfektion Tiertransporter
Desinfektion eines Viehtransporters während des Maul- und Klauenseuche-Ausbruchs 1973.
Seuchenteppich 1973
Seuchenteppich 1973 Flughafen
Hier sieht man Feuerwehrmänner, die im Zuge des MKS Ausbruchs 1973 am Flughafen Schwechat einen Seuchenteppich errichten.

Besonders belastend war der Ausbruch für die betroffenen Landwirte. Die Keulung der Tiere bedeutete nicht nur einen wirtschaftlichen Totalschaden, sondern ging auch mit hoher emotionaler Belastung einher. Gleichzeitig war das Informationssystem vergleichsweise träge, viele Maßnahmen mussten improvisiert oder mit erheblichem personellen Aufwand umgesetzt werden. Die breite Bevölkerung war stark verunsichert, der seuchenbedingte Ausnahmezustand prägte das gesellschaftliche Leben spürbar.

MKS Marterl
Zum Dank nach der Maul- und Klauenseuche errichtete die Ortsgemeinschaft am 6. 3. 1981 diesen Bildstock, der 1986 von Msgr. Gärtner gesegnet wurde. Vom 3. bis 17. 3. 1981 standen Thalheim und Pönning unter Quarantäne, nachdem die Seuche ausgebrochen war und 2535 Tiere getötet werden mussten. Der Bildstock zeigt den Hl. Antonius.

Der Ausbruch von 1973 zeigt eindrucksvoll, wie verletzlich ein Land gegenüber Tierseuchen sein kann, wenn Biosicherheitsstrukturen, technische Mittel und internationale Koordination noch nicht den heutigen Stand erreicht haben. Die damaligen Erfahrungen unterstreichen, wie wichtig Prävention, rasche Informationsweitergabe und strukturierte Krisenpläne für eine effektive Tierseuchenbekämpfung sind – Aspekte, die seither maßgeblich weiterentwickelt wurden.

Vergleicht man diese Situation mit der heutigen, zeigt sich deutlich, wie sehr sich die Voraussetzungen verändert haben. Einerseits ist das Risiko einer schnellen Verbreitung durch größere und stärker vernetzte Betriebe prinzipiell gestiegen. Andererseits ermöglicht der technologische und organisatorische Fortschritt heute eine wesentlich effektivere Seuchenprävention. Moderne Biosicherheitsmaßnahmen, wie Hygieneschleusen, Schutzkleidung, klare Stalltrennung, elektronische Zugangskontrollen und lückenlose Rückverfolgbarkeit, stellen heute einen Standard dar, der die Wahrscheinlichkeit einer Ausbreitung deutlich reduziert. Auch der Informationsfluss ist heute deutlich schneller und zentral koordiniert, unter anderem durch das EU-Tierseuchenrecht und digitale Meldesysteme.

Ein Ausbruch wie jener von 1973 würde heute ganz anders bekämpft werden: mit zentral gesteuerten Maßnahmen, europaweiten Handelsregelungen, und nicht zuletzt mit dem Wissen um die dramatischen Folgen, das aus der damaligen Erfahrung hervorgegangen ist.

MKS Zeitstrahl

Maul- und Klauenseuche: Bekämpfungsstrategien damals und heute

Heute würde ein Ausbruch der Maul- und Klauenseuche unter völlig anderen Voraussetzungen stattfinden als in den 1970er Jahren. Die strukturelle Entwicklung in der Landwirtschaft, technische Fortschritte und EU-weite Vorschriften haben die Rahmenbedingungen für die Bekämpfung einer solchen Tierseuche grundlegend verändert.

Moderne landwirtschaftliche Betriebe sind heute deutlich größer als früher und wesentlich stärker miteinander vernetzt. Über Lieferketten, Tiertransporte und gemeinsame Dienstleistungen besteht ein enger Austausch zwischen den Betrieben. Das erhöht zwar prinzipiell das Risiko einer schnellen Seuchenausbreitung, erlaubt aber gleichzeitig eine bessere Überwachung und Steuerung durch digitale Systeme.

Ein zentrales Element der heutigen Seuchenprävention ist die konsequent betriebene Biosicherheit. In der Vergangenheit weitgehend unbekannt, ist sie heute gesetzlich vorgeschrieben und praktisch in allen professionellen Tierhaltungsbetrieben etabliert. Hygieneschleusen, klare Besuchsregelungen, getrennte Stallbereiche, die Pflicht zur Schutzkleidung, regelmäßige Desinfektionsmaßnahmen sowie klar definierte Ein- und Ausstallungsprotokolle sorgen dafür, dass das Risiko eines Seucheneintrags über Personen, Fahrzeuge oder Futtermittel deutlich verringert wird.

Zudem ist die Rückverfolgbarkeit von Tierbewegungen durch EU-weite Dokumentationspflichten heute wesentlich einfacher. Datenbanken ermöglichen eine lückenlose Nachverfolgung von Tiertransporten, was im Seuchenfall entscheidend für eine rasche Identifizierung und Abgrenzung betroffener Bestände ist. Diese digitale Rückverfolgbarkeit war zur Zeit des letzten großen MKS-Ausbruchs in Österreich nicht möglich.

Durch den EU-Beitritt ist Österreich zudem in ein einheitliches Krisenmanagement eingebunden. Ein Ausbruch der MKS würde automatisch die Einrichtung von Schutz-, Überwachungs- und Sperrzonen nach sich ziehen. Maßnahmen wie die Keulung infizierter Bestände, geregelte Entschädigungen für betroffene Betriebe sowie umfassende Handelsbeschränkungen würden innerhalb eines abgestimmten europäischen Seuchenbekämpfungsplans umgesetzt. Die Verantwortlichkeiten zwischen Bund, Ländern und EU-Kommission sind dabei klar geregelt.

Ein weiterer Unterschied betrifft die früher weit verbreitete Eigenbedarfshaltung: Während in den 1970er Jahren viele Haushalte einzelne Nutztiere hielten – etwa eine Kuh oder ein Schwein zur Selbstversorgung, ist diese Form der Tierhaltung heute kaum noch vorhanden. Dadurch ist das Risiko unerkannter Infektionen in kleineren, unkontrollierten Beständen gesunken.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass ein MKS-Ausbruch heute unter völlig anderen Bedingungen stattfinden würde - während ein MKS-Ausbruch nach wie vor eine ernste Bedrohung für die Landwirtschaft und den Export darstellt, sind die Voraussetzungen für Prävention, Früherkennung und rasche Reaktion dank moderner Infrastruktur, digitaler Rückverfolgbarkeit, gesetzlich verankerter Biosicherheit und eines europaweit koordinierten Krisenmanagements durch technische, strukturelle und rechtliche Fortschritte deutlich verbessert. Biosicherheit spielt dabei eine Schlüsselrolle, nicht nur zur Eindämmung im Ernstfall, sondern vor allem zur Verhinderung eines Ausbruchs.

Vergleich damals und heute 1
Vergleich damals und heute 2

Warum eine „Durchseuchung“ keine Option ist

Ein unkontrollierter Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS) in Österreich wäre keine Option, weder aus wirtschaftlicher, tiergesundheitlicher noch gesellschaftlicher Sicht. Die Erfahrungen aus dem Vereinigten Königreich im Jahr 2001 und die anhaltenden Herausforderungen in Ländern mit endemischer MKS, wie der Türkei, zeigen eindrücklich, welche verheerenden Folgen eine „Durchseuchung“ haben kann.

Im Jahr 2001 erlebte das Vereinigte Königreich einen der schwerwiegendsten MKS-Ausbrüche seiner Geschichte. Innerhalb von sieben Monaten wurden über 6 Millionen Tiere getötet, um die Seuche einzudämmen. Die wirtschaftlichen Schäden beliefen sich auf rund 8 Milliarden Pfund. Neben der Landwirtschaft waren auch der Tourismus und andere Wirtschaftszweige erheblich betroffen. Die psychischen Belastungen für Landwirt:innen und betroffene Gemeinden waren enorm, mit Berichten über Trauer, Angst und Vertrauensverlust in Behörden.

Die Maul- und Klauenseuche (MKS) hätte auch auf österreichische Landwirt:innen tiefgreifende soziale Auswirkungen. Der Policy Brief zeigt, dass psychische Belastungen wie Existenzängste und Stress durch negative öffentliche Wahrnehmung zentrale Probleme wären. Besonders gefährdet sind auch Bildungs- und Tourismusangebote wie „Schule am Bauernhof“. Viele Bäuer:innen könnten ihre Betriebsführung infrage stellen oder die Weitergabe des Hofs an die nächste Generation überdenken.

In Ländern wie der Türkei, wo MKS endemisch (Krankheit tritt regelmäßig immer wieder auf) ist, stellt die Krankheit eine dauerhafte Bedrohung für die Viehwirtschaft dar. Regelmäßige Ausbrüche führen zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten und beeinträchtigen den internationalen Handel mit Tieren und tierischen Produkten. Zudem erfordert die ständige Präsenz der Krankheit erhebliche Ressourcen für Impfprogramme und Überwachungsmaßnahmen, was die landwirtschaftliche Entwicklung hemmt.

Darüber hinaus verursacht MKS erhebliches Tierleid. Die Erkrankung ist für die Tiere extrem schmerzhaft, mit Symptomen wie Fieber, Blasenbildung im Maul- und Klauenbereich, Lahmheit und Appetitlosigkeit. Obwohl MKS bei erwachsenen Tieren selten tödlich verläuft, führt sie zu langanhaltenden Leistungseinbußen und beeinträchtigt das Wohlbefinden der Tiere erheblich.

Eine bewusste Inkaufnahme der Ausbreitung von MKS in Österreich würde nicht nur massive wirtschaftliche Schäden verursachen, sondern auch das Vertrauen in die Lebensmittelsicherheit und die Tiergesundheit untergraben. Die Erfahrungen aus dem Vereinigten Königreich und Ländern mit endemischer MKS zeigen, dass die Kosten und langfristigen Auswirkungen einer solchen Strategie die kurzfristigen Einsparungen bei weitem übersteigen würden.

Daher ist es unerlässlich, präventive Maßnahmen zu ergreifen, um einen MKS-Ausbruch zu verhindern. Dazu gehören strenge Biosicherheitsprotokolle, regelmäßige Überwachung und schnelle Reaktionspläne im Falle eines Ausbruchs. Nur durch proaktives Handeln kann Österreich seine Tierbestände schützen und die Integrität seiner Landwirtschaft bewahren.

Modellierung MKS Ausbruch Österreich

Um auf potenzielle Ausbrüche der Maul- und Klauenseuche (MKS) vorbereitet zu sein, führte die Vetmeduni Wien gemeinsam mit der AGES und dem BMASGPK eine Simulationsstudie durch. Ziel war es, verschiedene Bekämpfungsstrategien zu bewerten, deren Wirkung auf die Seuchenausbreitung, Tierverluste und Kosten zu analysieren, sowie den Ressourcenbedarf abzuschätzen.

Mithilfe des europäischen Simulationsmodells EuFMDiS wurden MKS-Ausbrüche in zwei Regionen Österreichs modelliert: einer tierdichten Region im Norden (NÖ/OÖ) und einer weniger dicht besiedelten im Westen (Tirol/Vorarlberg). Untersucht wurden fünf Szenarien, basierend auf unterschiedlichen Keulungs-, Impf- und Tilgungsstrategien.

Das Eufmdis-Modell ist ein Simulationsmodell, das verwendet wird, um die Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche (MKS) zu simulieren. Es berücksichtigt verschiedene Faktoren, die die Ausbreitung der Seuche beeinflussen, wie z.B. die Übertragungswege, die Anzahl der infizierten Tiere und die Wirksamkeit der Bekämpfungsmaßnahmen.

Die Ergebnisse zeigen, dass ein MKS-Ausbruch in Österreich Kosten zwischen 270 und 580 Mio. Euro verursachen könnte – abhängig von Region, Bekämpfungsstrategie und verfügbaren Ressourcen. In Regionen mit hoher Tierdichte erwiesen sich präventive Tilgungen als effektivste und kostengünstigste Maßnahme, während in weniger dicht besiedelten Gebieten bereits Standardmaßnahmen ausreichen würden.

Die Studie unterstreicht die Bedeutung rascher Reaktion, ausreichender personeller Ressourcen und nachhaltiger Strategien im Einklang mit EU- und internationalen Partnern, um die Folgen eines MKS-Ausbruchs möglichst gering zu halten.

Das Modell zeigt (basierend auf früheren Studien) sehr deutlich, dass der Erfolg bei der Begrenzung von Ausbrüchen stark von der Intensität der Überwachung abhängt. Es zahlt sich also aus, hier gezielt Ressourcen zu investieren, um mögliche Ausbrüche möglichst früh zu erkennen.

Eufmdis modell

Vetmeduni: Maul- und Klauenseuche: Bekämpfungsansätze eines möglichen Ausbruchs bewertet

 

Erfahrungsbericht MKS Ausbruch (Tierärzte Verlag)

#23 - Der MKS-Ausbruch 1973 und was wir daraus lernen können. Im Jahr 1973 gab es einen lang andauernden Ausbruch der Maul- und Klauenseuche (MKS), betroffen waren vor allem Niederösterreich, das Burgenland und Wien. Auch an der Veterinärmedizinischen Universität trat die MKS auf. Ein Erfahrungsbericht Der MKS-Ausbruch im Jahre 1973 (Onlineausgabe 04/2025)

Quellen und Links

 

Weitere Informationen auf dieser Seite

MKS allgemein

Letzte Aktualisierung: 31.03.2026