Tularämie
Tularämie (Hasenpest, Nagerpest, Lemmingfieber, Hirschfliegenfieber, Ohara-Krankheit) ist eine bakterielle Infektion, die durch das Bakterium Francisella tularensis (mit verschiedenen Unterarten) ausgelöst wird. Das Bakterium befällt vor allem wildlebende Hasen, Kaninchen und Nagetiere wie Mäuse, Ratten, Eichhörnchen, wird aber auch in der Umwelt (Wasser, Erde) gefunden. Gelegentlich wird die Tierkrankheit auf den Menschen übertragen (Zoonose). Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist nicht bekannt. Gemeldete Tularämiefälle beim Menschen sind in Österreich häufig auf einen Kontakt mit Feldhasen zurückzuführen.
Vorkommen
Tularämie kommt in der nördlichen Hemisphäre (z.B. Österreich, Tschechien, Slowakei, Ungarn, skandinavische Länder, Russland, Japan, USA, Kanada) vor. Im Nordosten Österreichs (nordöstliches Niederösterreich, Wien und nördliches Burgenland) befindet sich ein aktiver Tularämie-Naturherd, der mit den Endemiegebieten in der Slowakei und Tschechien entlang den Flüssen March und Thaya zusammenhängt. Sporadisch wurde die Tularämie auch in der Steiermark (bei Feldhasen) und in Oberösterreich (bei Menschen) nachgewiesen.
Erregerreservoir
Außer beim Feldhasen kommt F. tularensis auch bei zahlreichen anderen kleinen, wildlebenden Tieren (vor allem Nagetieren) vor. Auch in Zecken oder in der Umwelt (Wasser, Erde, Staub) findet man den Erreger.
Infektionsweg
F. tularensis ist hochansteckend, sodass schon wenige Keime genügen, um eine Infektion auszulösen. Es gibt sehr viele Infektionsmöglichkeiten: Häufig sind Haut- oder Schleimhautkontakt mit infizierten Tieren (besonders Feldhasen), Verzehr von unzureichend erhitztem Hasenfleisch, Aufnahme von anderen kontaminierten Lebensmitteln oder von kontaminiertem Wasser, Stiche von Zecken und anderen blutsaugenden Parasiten, selten auch Katzenbisse, häufiges Einatmen von infektiösem Staub (aus Erde, Stroh und Heu oder von Tierfellen, z. B. beim Abhäuten von Feldhasen). Von Mensch zu Mensch wird der Erreger nicht übertragen.
Inkubationszeit
In der Regel 3-5 Tage (ev. 1-21 Tage), abhängig von Infektionsweg und -dosis sowie der Virulenz des Erregerstamms.
Krankheitsanzeichen (Symptomatik)
Beim Menschen entsteht meist an der Kontaktstelle ein schmerzloses Geschwür. Häufige Symptome sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und schmerzhafte Schwellung der regionalen Lymphknoten. Es kann zu unterschiedlichen Krankheitsverläufen mit unterschiedlichen Symptomen wie z. B. Pharyngitis, Erbrechen, Durchfällen oder abdominellen Schmerzen kommen.
Bei Tieren kommt es zwei bis drei Tage nach Ansteckung zu Schwäche, Fieber, einer gesteigerten Atmungsfrequenz, Fluchtverhalten fehlt, Lymphknoten und Milz sind vergrößert. Innerhalb von vier bis dreizehn Tagen sind die meisten Tiere verendet. Chronisch verlaufende Infektionen enden nach 14 bis 60 Tagen tödlich. Erkrankte Feldhasen können ungewöhnliche Bewegungen ausführen und fehlendes Fluchtverhalten zeigen.
Diagnostik
Serologischer Nachweis (Antikörpertiter), Nukleinsäure-Nachweis (z. B. PCR) oder Antigen-Nachweis (z. B. Immunfluoreszenz). Der direkte Erregernachweis mittels Kultur wird nur in Speziallaboratorien durchgeführt, da es sich um einen hochinfektiösen Erreger handelt.
Vorbeugung und Bekämpfung
Verendete oder kranke und getötete Feldhasen dürfen auf keinen Fall abgehäutet werden und sollten nicht ohne Einmalhandschuhe berührt werden. Sie sollten ebenso wie erlegte Feldhasen mit krankhaften Veränderungen an den inneren Organen auf keinen Fall vergraben werden, sondern in Kunststoffbeuteln vollständig und dicht verpackt an eine Untersuchungsstelle eingesendet werden.
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