Trichinellose

Die Trichinellose wird durch Larven von Rundwürmern – vor allem der Art Trichinella (T.) spiralis - verursacht. Bis dato sind in Europa vier Trichinenarten (T. spiralis, T. nativa, T. britovi, T. pseudospiralis) bekannt. Diese Erreger werden als Trichinellen oder Trichinen bezeichnet.

Die Trichinellose ist eine lebensmittelbedingte Erkrankung, die durch den Verzehr von rohem oder ungenügend erhitztem Fleisch erfolgt, das Trichinella-Larven (Trichinellen, Trichinen, Fadenwürmer) enthält. Gefährlich ist vor allem Schweinefleisch, aber auch Fleisch von anderen Haus- oder Wildtieren. 

Vorkommen

Die Trichinellose ist eine weltweit verbreitete lebensmittelbedingte Zoonose, die unabhängig von klimatischen Bedingungen vorkommt. In Mitteleuropa kommt die Trichinellose nur mehr selten vor. In einigen östlichen und baltischen EU-Staaten liegen die Inzidenzen höher, wobei die meisten Erkrankungsfälle durch Fleischprodukte von Wildschweinen verursacht werden.

Erregerreservoir

Hausschwein, Wildschwein und Pferd sind Wirte für Trichinen. Nager (z. B. Ratten) und Wildtiere (z. B. Füchse) gelten als Reservoir. Der Mensch stellt einen Fehlwirt für diesen Parasiten dar.

Infektionsweg

Die Infektion erfolgt durch den Verzehr von rohem oder ungenügend erhitztem Fleisch, das Trichinenlarven enthält. Durch Verdauungsenzyme im Magen werden die Larven aus dem Fleisch freigesetzt und reifen in den Zellen der oberen Dünndarmschleimhaut innerhalb weniger Tage zu kleinen Würmern. Die Weibchen beginnen bereits vier bis sieben Tage nach Aufnahme durch den Wirt mit der Ablage von bis zu 1.500 Larven. Die jungen Larven passieren die Darmschleimhaut und gelangen über die Blutbahn in die Muskulatur, wo sie abgekapselt in Muskelzellen jahrelang überleben können. Bevorzugt werden sauerstoffreiche, d. h. gut durchblutete Muskeln, wie z. B. Zwerchfell, Nacken-, Kaumuskulatur, Muskulatur des Schultergürtels oder der Oberarme.

In Österreich sind Erkrankungsfälle beim Menschen sehr selten: In den vergangenen 50 Jahren wurden in Österreich ausschließlich sogenannte "importierte" Trichinellosefälle von den Gesundheitsbehörden registriert. Hierbei handelte es sich um Personen, die sich bei einem Auslandsaufenthalt mit Trichinenlarven infizierten oder infizierte Fleischprodukte mit nach Österreich genommen haben und in Österreich nach dem Verzehr dieser erkrankt sind.

Der letzte bekannte durch ein Hausschwein verursachte autochthone Krankheitsausbruch bei Menschen ereignete sich im Jahr 1970 nach dem Verzehr von schlecht durchgeräuchertem Fleisch eines mit Trichinen befallenen Hausschweines.

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit beträgt zwischen 1 und 4 Wochen und ist von der Anzahl aufgenommener Trichinenlarven abhängig. Als krankmachende Dosis für den Menschen werden nach gegenwärtigen Kenntnissen 100 bis 300 aufgenommene Trichinella-Larven angenommen. Unter Umständen genügt der Verzehr von wenigen Gramm infektiösen Fleisches. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.

Krankheitsanzeichen (Symptomatik)

Die Trichinellose ist eine mild bis tödlich verlaufende, lebensmittelbedingte Erkrankung beim Menschen, der als hochempfänglicher Wirt gilt (insbesondere für die Art T. spiralis). Der Schweregrad der Erkrankung ist von der Anzahl der aufgenommenen Larven und von der Immunabwehr der jeweiligen Person abhängig. Die Krankheitssymptome beim Menschen sind in der Anfangsphase von Fieber, Bauchschmerzen und Durchfall geprägt. Im späteren Krankheitsverlauf stehen vor allem Muskel- und Gelenksschmerzen sowie typische Ödeme im Gesichtsbereich im Vordergrund.

Therapie

Leicht infizierte Patientinnen und Patienten erholen sich in der Regel komplikationslos durch Bettruhe und mit Hilfe eines Schmerzmittels. Schwere Infektionen werden mit einer medikamentösen Therapie gegen Wurmlarvenbefall behandelt. Die medikamentöse Behandlung ist umso erfolgreicher, je frühzeitiger sie durchgeführt wird.

Vorbeugung und Bekämpfung

Tiere, die Träger von Trichinen sein können und für den menschlichen Verzehr bestimmt sind, müssen nach der Schlachtung bzw. Tötung und vor dem Inverkehrbringen des Fleisches auf Trichinenlarven untersucht werden (Durchführungsverordnung (EU) 2015/1375; EN ISO 18743/2015). Die Untersuchung wird mit der sogenannten Verdauungsmethode durchgeführt: Eine gewichtsgenau genau definierte Muskelmenge des untersuchungspflichtigen Tierkörpers (meist aus dem Bereich des Zwerchfellpfeilers) wird mittels künstlicher Verdauung aufgelöst und das Sediment der Verdauungsflüssigkeit unter mikroskopischer Betrachtung auf das Vorhandensein von Trichinenlarven überprüft.

Die Trichinella-Larven (auch als Trichinellen oder Trichinen bezeichnet) werden einerseits durch das Erhitzen auf Temperaturen über 65 °C abgetötet und andererseits ebenso durch längeres Einwirken sehr tiefer Temperaturen (mindestens –15 °C).

Im Fall eines positiven Trichinen-Nachweises wird der gesamte Tierkörper von der zuständigen Veterinärbehörde beschlagnahmt und einer nachweislichen Entsorgung zugeführt.

Empfohlene Links

www.bmasgpkg.gv.at

www.ages.at