Q-Fieber
Q-Fieber wird durch das Bakterium Coxiella burnetii ausgelöst, welches bei verschiedenen Tieren und in deren Ausscheidungsprodukten vorkommt. Am bedeutendsten für den Menschen ist der Befall von Paarhufern (Rinder, Schafe und Ziegen), aber auch Katzen, Hunde, Kaninchen und Wildtiere, Vögel, Läuse, Fliegen und Zecken können infiziert sein. Tiere, die mit Coxiella burnetii infiziert sind zeigen zwar oft keine Krankheitszeichen, können den Erreger aber über Kot, Urin oder Milch ausscheiden. Die Fähigkeit des Erregers, Dauerformen zu bilden, und die hohe Resistenz gegenüber Austrocknung ermöglichen es, in Staub, auf Heu, Wolle usw. jahrelang zu überleben. Anstecken kann sich der Mensch durch das Einatmen von erregerhaltigem Staub oder durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren. Weitere seltenere Übertragungswege sind etwa der Kontakt mit verunreinigten Produkten oder Lebensmitteln wie z. B. nicht pasteurisierte Milch oder sehr selten durch den Stich befallener Zecken. Die direkte Übertragung Mensch-zu-Mensch wurde nur in Einzelfällen bei Bluttransfusionen, Knochenmarktransplantationen oder einer Autopsie beobachtet.
In Österreich ist der Verdacht oder Nachweis von Q-Fieber bei Bison, Rind, Büffel, Schaf und Ziege meldepflichtig.
Vorkommen
Q-Fieber ist eine mit Ausnahme von Neuseeland und der Antarktis weltweit verbreitete Krankheit. Gefährdet sind Personen, die engen Umgang mit Tieren haben, z. B. Schlächter:innen, Tierfellverarbeiter:innen, Tierhalter:innen und veterinärmedizinisches Personal. Bei Ausbrüchen in Tierpopulationen kann auch die Bevölkerung in der Umgebung gefährdet sein.
Erregerreservoir
Schafe, Ziegen, Rinder, Wildsäugetiere, Vögel, Zecken
Inkubationszeit
2 bis 3 Wochen, abhängig von der Infektionsdosis auch kürzer
Infektionsweg
In Naturherden zirkuliert C. burnetii zwischen Wildsäugetieren, Vögeln und Zecken. Zecken sind Reservoir und ein wichtiger Vektor, jedoch nicht Hauptinfektionsquelle für Nutztiere. Als Hauptquelle sind vor allem infizierte Nachgeburten nach Aborten bei Schafen und Ziegen anzusehen. Zecken bleiben ein Leben lang infiziert und können den Erreger auch an ihre Nachkommen weitergeben.
Man unterscheidet zwei voneinander unabhängige Infektionszyklen: der erste ist eine Naturherdinfektion mit Beteiligung von Zecken und Wildtieren, in der es zu Infektionen von Haustieren kommen kann. Dieser Infektionszyklus ist an das Vorkommen bestimmter Zeckenspezies gebunden. Zwischen den Larven, Nymphen und Nagern entwickelt sich ein Kreislauf, der, wenn adulte Zecken auftreten, größere Wirtstiere (z. B. Rotwild, Füchse, Schafe, Ziegen und Rinder) befällt. Das Frühjahr und die Sommer-Herbstzeit sind wegen der Wirtsübergänge der adulten Zecken als saisonale Risikoperioden bekannt. Der zweite Zyklus ist ein Arthropoden-unabhängiger Haustierzyklus. Die Infekt-Kette unter warmblütigen Tieren wird in diesem Zyklus ohne Zwischenwirt aufrechterhalten. Die Übertragung erfolgt durch Abortmaterial, Exkrete und Exkremente; eine Übertragung über die Atemwege durch Staub- und Tröpfchenaerosole ist ebenfalls möglich. Bei Haustieren kann die Verbreitung der Coxiellen auch passiv über erregerhaltigen Zeckenkot (im Vlies, durch dunkle Verfärbung erkennbar) erfolgen.
Coxiellen gelangen über den Blutkreislauf zur Gebärmutter und zur Milchdrüse, wo sie sich über lange Zeit festsetzen können, ohne dass das infizierte Tier Symptome zeigt. Während einer Gravidität kann die Infektion reaktiviert werden, vor allem die Gebärmutter und die Milchdrüsen können den Erreger jahrelang beherbergen. In beiden Organen werden erhebliche Erregermengen produziert und ausgeschieden. Coxiellen werden intermittierend auch mit der Milch ausgeschieden. Es sind vor allem Geburtsprodukte (z. B. Nachgeburt, Fruchtwasser, Lochien) sowie die damit kontaminierten Neugeborenen hoch infektiös. Eingetrocknete Fruchthäute, die auf der Weide verbleiben, können zu einer monatelangen Verseuchung des Geländes führen.
Übertragung auf den Menschen
Das Q-Fieber kann vom Tier auf den Menschen durch direkten Kontakt oder über die Atemwege durch Einatmen von Coxiella-haltigem Staub oder Tröpfchen (= aerogene Übertragung) übertragen werden. Ein weiterer Infektionsweg für Menschen ist die Übertragung durch Zeckenkot z. B. in Schafvlies. Berufsgruppen, die mit infizierten Tieren in Kontakt kommen wie z. B. Landwirte, veterinärmedizinisches Personal, Schlachthofpersonal, Schafhirten, Schafscherer, aber auch Besucher landwirtschaftlicher Betriebe sind gefährdet. Besuchern von Bauernhöfen sollte daher der Zugang zu Räumlichkeiten mit infizierten Tieren verboten werden, damit das Risiko, infizierten Staub einzuatmen möglichst geringgehalten wird. C. burnetii-haltiger Staub kann durch Wind fortgetragen werden und Menschen in einer Entfernung von mehreren Kilometern gefährden. Dabei bilden 1 bis 10 Coxiellen bereits eine humaninfektiöse Dosis (HID) und sind für eine Infektion ausreichend.
Coxiella burnetii wurde nicht nur in vom Q-Fieber befallenen Herden gefunden, sondern konnte auch in Rohmilch und Rohmilcherzeugnissen (z. B. Weichkäse, Butter) sowie im Muskelfleisch und in den Organen infizierter Tiere nachgewiesen werden. Das Risiko für Menschen, durch eine lebensmittelbedingte Infektion zu erkranken, ist in Einzelfällen belegt; eine Übertragung durch Nahrungsmittel spielt im Infektionsgeschehen aber eine eher untergeordnete Rolle. Aus Vorsorgegründen sollte Rohmilch aus infizierten Herden grundsätzlich einer Wärmebehandlung unterzogen werden; Rohmilch und Rohmilcherzeugnisse aus C. burnetii-positiven Beständen dürfen nicht an den Verbraucher abgegeben werden. Die Pasteurisierung zerstört die Erreger zuverlässig.
Symptome beim Menschen
Bei der Mehrzahl der infizierten Menschen verläuft die Infektion ohne jegliche Krankheitszeichen. Die Erkrankung, nur etwa ein Drittel der Infizierten erkranken sichtbar, beginnt ca. 2-3 Wochen nach Ansteckung mit Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Krankheitsgefühl. Die Erkrankung kann bezüglich Schwere und Dauer sehr stark variieren. Meist verläuft das Q-Fieber unter dem Bild einer Lungenentzündung, begleitet von heftigen Kopf- und Muskelschmerzen. Die Prognose ist gut. Nur etwa 5 % der Erkrankten benötigen Krankenhausaufenthalte. In vereinzelten Fällen, in denen die akute Infektion nicht erkannt wurde, kommt es jedoch zu chronischen Krankheitsverläufen mit einer Herzklappenentzündung.
Symptome bei Tieren
Die infizierten Tiere sind meist nur subklinisch erkrankt. Bei Schafen, Ziegen und Rindern löst eine Infektion Aborte aus bzw. sind die Neugeborenen oft schwach und kaum lebensfähig; insbesondere beim Rind sind Coxiellen auch Ursache für Fruchtbarkeitsstörungen. Während der Geburt oder des Abortusgeschehens werden große Mengen an hoch infektiösem Material (z. B. Nachgeburt, Fruchtwasser, Frucht) ausgeschieden. Eingetrocknete Fruchthäute, die auf der Weide verbleiben, können zu einer monatelangen Verseuchung des Geländes führen.
Vorbeugung und Bekämpfung bei Tieren
Da es sich um einen bakteriellen Erreger handelt, ist grundsätzlich die Behandlung mit Antibiotika möglich. Durch die lange Überlebensdauer von Coxiellen in der Umgebung ist aber die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es immer wieder zu Neuinfektionen von bisher gesunden Tieren kommt.
Es gibt einen zugelassenen Impfstoff zur aktiven Immunisierung für Rinder, Schafe und Ziegen. Mit einer Impfung besteht die Möglichkeit, den Infektionskreislauf zu reduzieren und den Einsatz von Antibiotika langfristig zu minimieren.
Die Bekämpfung von Q-Fieber bei Nutztieren konzentriert sich auch auf präventive Maßnahmen. Vorraussetzung für die Maßnahmen zur Verhütung und Bekämpfung von Q-Fieber ist das rechtzeitige Erkennen von Infektionen. Einige wichtige Empfehlungen zur Identifizierung von Q-Fieberausbrüchen sind die Suche nach den möglichen Infektionsquellen, das Vorkommen von Verlammen/Verkalben, die Untersuchungen auf Zeckenbefall (Zeckenkot im Vlies - dunkle Verfärbungen im tieferen Vlies, Haut ist an den Bissstellen der Zecken entzündlich verändert bzw. verkrustet, kohlestaubähnliche Partikel in der dicht bewollten Region zwischen Kopf, Hals und Widerrist sind vorhanden) und serologische und molekularbiologische Untersuchungen, um das Infektionsgeschehen abzuklären; immunhistochemische Verfahren und mikrobiologische Untersuchungen.
Maßnahmen zur Verringerung der Erregerverbreitung:
- Kontrolle der Neuzukäufe auf eine vorhandene Coxiellen-Infektion
- Verbringen der hochtragenden Tiere in den Stall zum Ablammen bzw. Abkalben: Das Ablammen oder -kalben sollte in möglichst geschlossenen Ställen in ausreichender Entfernung von Wohnbebauungen stattfinden
- Beseitigung der Nachgeburten: Die Kontamination der Umgebung mit Geburtsprodukten von infizierten Tieren sollte minimiert werden, um eine Luftübertragung der Erreger zu verhindern. Nachgeburten und Totgeburten sollten in geschlossenen, flüssigkeitsundurchlässigen Behältern gesammelt und fachgerecht entsorgt werden. Die Behälter müssen danach fachgerecht desinfiziert werden
- Fachgerechte Desinfektion der von der Infektion betroffenen Stallungen und Gerätschaften. Die regelmäßige Reinigung der Ställe sollte in der ersten Phase nicht mit Hochdruckstrahl oder Dampfstrahl durchgeführt werden, da in diesem Fall eine Verbreitung der Erreger durch Aerosole gefördert wird
- Hunde und Katzen sollten den Ställen mit infizierten Tieren fernbleiben
- Verschmutzte Einstreu sowie Mist aus von der Infektion betroffenen Stallungen nicht auf landwirtschaftliche Flächen ausbringen. Sporen können über weite Strecken verbreitet werden
- Kontrollierte Akarizidbehandlung der Herde. Durch Zeckenbekämpfung in den betroffenen Herden alljährlich zu Beginn der Zeckensaison kann die Erregerverbreitung wesentlich vermindert werden, sofern Zecken in der Übertragung eine Rolle spielen
- Personen, die sich zum Scheren oder sonstigen Tätigkeiten in Ställen mit infizierten Tieren aufhalten, sollten die üblichen Hygienevorschriften (z. B. mehrmaliges Händewaschen, Schutzhandschuhe, eigene Arbeitskleidung) beachten und Schutzmasken tragen. Scheren in geschlossenen Räumen. Beseitigung der kontaminierten Wolle
Diagnostik
Die Diagnose von Coxiella burnetii ist sowohl direkt (Erregernachweis) als auch indirekt (Antikörpernachweis) möglich.
Probenmaterial für Erregernachweis mittels PCR:
- Milch
- Plazenta
- Abortmaterial
- Vaginaltupfer
Probenmaterial für Antikörpernachweis mittels ELISA:
- Blut (Plasma/Serum)
- Milch (Einzel- und Tankmilch)
Für weitere Informationen wenden Sie sich an Ihre Amtstier Amtstierärztin bzw. Ihren Amtstierarzt.